Pia Rolfs

Portfolio

Potpourri April 2016

Der satirische Monatsrückblick „Pias Potpourri“ ist vielseitig. Von Juli 2007 bis März 2014 war er ein Audio-Podcast, im Mai und Juni 2014 machte er einen Ausflug in die Video-Welt. Seit Juli 2014 ist er an jedem Monatsende eine Rubrik in der Print-Ausgabe der „Frankfurter Neuen Presse“. Getreu dem Motto: Print wirkt – hoffentlich auch auf die Lachmuskeln.

Pias Potpourri April 2016

WASSERHUND SCHMUSER TRIFFT CORGI-KLETTE

Was für ein Monat für einen satirischen Monatsrückblick! Denn diesmal ist er kein Blick auf nebensächliche Ereignisse wie Krisen, Unglücke und drohende Weltuntergänge sondern auf die Satire selbst.

Im Land der Dichter und Denker wurde nämlich das Schmähgedicht von Jan Böhmermann über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in diesem Monat mehr diskutiert als die Werke von Goethe und Schiller. Offenbar macht es einen Satiriker also unweigerlich berühmt, Politikern und Promis eine übergroße Nähe zu Tieren nachzusagen nichts leichter als das.

So sollte US-Präsident Barack Obama, der gerade die Hannover Messe besuchte, endlich mal zutreffend als „Wasserhund-Schmuser“ bezeichnet werden. Denn es ist zu vermuten, dass er mit seinen Portugiesischen Wasserhunden Bo und Sunny abends im Weißen Haus nicht nur „Fass den Trump“ spielt.

Kein Wunder, dass er sich bei seiner Europareise auch mit der „Corgi-Klette“ traf. Die hängt offenbar mehr an ihren kurzbeinigen Hunden als an ihren zweibeinigen Untertanen, die sie „Queen Elizabeth“ nennen und gerade ihren 90. Geburtstag feierten.

Schweden-Prinz Carl Philip, bestimmt ein berüchtigter „Elch-Ausweicher“, wurde Vater. „Terrier-Schmuggler“ Johnny Depp tat in einem Video öffentlich Abbitte in Australien. So viel Demütigung sah man dort bisher nur beim „Dschungelcamp“.

Aber dürfen wir mit dem Finger aufs Ausland zeigen? Natürlich nicht. SPD-Chef Sigmar Gabriel, der gerade die Rente zum Wahlkampfthema erklärte, hat sich als „Eisbären-Belästiger“ schon lange vorher disqualifiziert. Die Bilder der kleinen Eisbärin Lilli in Bremerhaven weckten in diesem Monat schreckliche Erinnerungen an den Tag, als Gabriel den Promi-Bären Knut streicheln wollte und dieser sich erschrocken wegduckte. Zusammenhänge dieses traumatischen Erlebnisses mit Knuts frühem Tod werden in Eisbär-Kreisen immer noch so heiß diskutiert, dass es den Klimawandel beschleunigt.

Aber auch wenn die Formulierung im Zusammenhang mit Gabriel diskriminierend sein mag es kommt noch dicker. Und zwar für den Volkswagen-Konzern, den alten „Käfer-Schubser“. Er soll nämlich nicht nur jedem vom Abgasskandal Betroffenen in den USA 5000 Dollar zahlen. Sondern auch noch verkraften, dass die Bundesregierung bald den Besuch von Zwangsprostituierten bestrafen will. Das trübt die Erinnerungen an viele schöne VW-Betriebsratsausflüge.

Die Wirtschaft ist eben ein schwieriges Feld. So wurden die „Panama Papers“ zum Skandal. Dabei ist doch klar, warum so viele Briefkastenfirmen in dem Land unterhalten. Dort ist schließlich die Fauna besonders artenreich und vermutlich arbeiten bei einigen Firmen „Pfeilgiftfrosch-Masseure“ und „Faultier-Förderer“. Das entspräche jedenfalls den Grundsätzen des modernen Arbeitslebens.

Für den normalen Bürger ist eine Nähe zu Tieren dagegen unspektakulärer und bietet daher meistens auch keinen schönen Anlass für Beleidigungen. Immerhin versuchen sich einige inzwischen als „Lemming-Solidaritätsbekunder“. Mit dem Smartphone in der Hand stolpern sie über die Straße, lenken Autos oder Busse bis sie verunglücken. Die Unfallzahlen durch diese Form der Ablenkung steigen. Eine bedenkliche Entwicklung. Denn um solche Effekte zu erzielen, brauchte es früher keinen Stromverbrauch. Da reichte Alkohol.

Möglicherweise sind aber all diese Beleidigungen noch nicht genug, um als Satiriker verklagt und berühmt zu werden. Daher müssen wohl doch die Ziegen herhalten, aber das ist unter Beibehaltung der Rechtschreibung gar nicht einfach. Immer wieder wird das Wort „Ziegenf…“ erwähnt, das im Böhmermann-Gedicht besonders unpassend war. Aber so schreibt sich nun wirklich nicht „Zickenversteher“, und mit den Witzen über Heidi Klum muss auch mal Schluss sein.