Pia Rolfs

Portfolio

Potpourri April 2017

Der satirische Monatsrückblick „Pias Potpourri“ ist vielseitig. Von Juli 2007 bis März 2014 war er ein Audio-Podcast, im Mai und Juni 2014 machte er einen Ausflug in die Video-Welt. Seit Juli 2014 ist er an jedem Monatsende eine Rubrik in der Print-Ausgabe der „Frankfurter Neuen Presse“. Getreu dem Motto: Print wirkt – hoffentlich auch auf die Lachmuskeln.

Pias Potpourri April 2017

BEI DONALD TRUMP ZEIGT DIE EVOLUTION SINN FÜR HUMOR

Alles neu macht der Mai – aber da sist auch bitter nötig. Denn im April konnte die Menschheit ihre Hoffnung eigentlich nur auf ein Lebewesensetzen: auf eine Raupe.

Die Raupe der Großen Wachsmotte nämlich, so stellten Wissenschaftler fest, frisst Plastik. Genauer gesagt: Polyethylen, das sonst kaum abbaubar ist. So knabberten Raupen sich durch eine Plastiktüte, in die eine Forscherin sie gesteckt hatte, nach draußen. Das zeigt, dass im Tierreich Fähigkeiten vorhanden sind, die nicht gerade von Pappe sind.

Vermutlich macht der Geheimdienst in Nordkorea längst heimliche Raupentests. Könnte der Insekten-Nachwuchs sich doch vielleicht als eine Art biologische Waffe durch die Frisur von Erzfeind Donald Trump knabbern. Dieser, der selbst nur die Sensibilität einer Planierraupe besitzt, hat nämlich viele bislang nicht abbaubare Vorurteile. Aber mal ehrlich: Warum sollte eine Raupe in diese Richtung fressen? Sie möchte ja hinaus ins Licht – nicht hinein in die dunkle Leere.

Doch die Evolution hat durchaus Sinn für Humor. Denn obwohl Donald Trump sich intellektuell möglicherweise nur mit einer Eintagsfliege messen kann, feierte er in diesem Monat schon seinen 100. Tag im Amt. Besser gesagt: Er hätte ihn gefeiert, wenn sein Job nicht so furchtbar anstrengend wäre. „Ich dachte, es wäre leichter“, räumte er ein. Der Arme hat kaum noch Zeit für sein Privatleben – und dann gibt es noch diese lästige Demokratie, die am störungsfreien Durchregieren hindert. Als Kompromiss könnte vielleicht helfen: Einfach die Bürger auf Plastikzetteln wählen lassen – und dann die unerwünschten Stimmen den Raupen zum Fraß vorwerfen. Dann ist allen geholfen, und die Hacker vom russischen Geheimdienst haben auch mal Pause.

Sogar die AfD könnte sich einiges von den Raupen abgucken. Warf doch Frauke Petry wegen der Uneinigkeit in ihrer Partei das Handtuch und verzichtet nun auf ihre Spitzenkandidatur im Bundestagswahlkampf. Bei Raupen könnte das nicht passieren. So leben die Raupen der Prozessionsspinner in großen Gespinsten eng miteinander. Da bleibt kein Spinner allein.

Eine Entscheidung von großer Tragweite wurde auch in Frankreich getroffen – und zwar für ein leckeres Macaron. Na gut, manche behaupten, es handele sich dabei gar nicht um das bunte Baisergebäck aus Mandelmehl, sondern um den fast gleichnamigen Politiker Emmanuel Macron, der nun mit Marine Le Pen in die Stichwahl geht. Aber eigentlich kann es dabeiunmöglich um Politik gehen, schließlich schreiben alle ständig über seine viel ältere Frau Brigitte, die mal seine Lehrerin war. Das klingt eindeutig nach Vernaschen.

Doch leider bleibt es nicht immer beim Süßen, knabbern sich doch manche Menschen auch durch Tablettenpackungen. So sind laut Suchtbericht mehr Bundesbürger von Medikamenten abhängig als von Alkohol. Das ist traurig, aber im Grunde nur logisch. Denn viele haben heute für eine große Flasche Fusel einfach keine Hand mehr frei. Schließlich hält eine schon das Smartphone, die andere tippt darauf – und kein Süchtiger möchte da eine Flüssigkeit aufs Display schütten.

Ganz ohne Tabletten jedoch lässt sich erkennen, was die Raumsonde Cassini von der britischen Premierministerin Theresa May unterscheidet. Cassini hat wieder Kontakt zur Erde. May lebt dagegen laut EU in einem Paralleluniversum – weil sie den Brexit will, aber trotzdem glaubt, Vorteile der alten Partnerschaft behalten zu können. Allerdings ist sie in diesem Paralleluniversum nicht allein: Viele Männer, die ihre Frauen verlassen, glauben das auch.

Doch die schlimmste Krise droht in Ostfriesland. Dort wurden an Stränden Kokainpäckchen angespült. Und ein sonst reaktionsverzögerter Ostfriese ist auf Koks womöglich von einem normalen Bundesbürger kaum noch zu unterscheiden! Sehr gefährlich wäre dann allerdings der staunende Ausdruck: „Alter Falter!“ Denn der entpuppt sich schnell als Beleidigung für die unentbehrlichen Raupen.