Pia Rolfs

Portfolio

Potpourri April 2018

WOLFSBURGS WERK UND TEUFELS BEITRAG

Wäre der April ein Mensch, er wäre vermutlich ein kichernder Revolutionär. Startet er doch mit Scherzen und lässt sich nur ungern festlegen („Der April macht, was er will“). Deswegen brachte er – ob nun Scherz oder Revolution – einen Hauch von Freiheit ausgerechnetnach Saudi-Arabien.

Dort wurde nämlich das erste Kino eröffnet! Vielleicht denken sich die Saudis, dass ohnehin kein Besucher heil hinkommt, wenn Frauen erst einmal ans Steuer gelassen werden. Für die ersten Filme hätten wir dennoch, ausgehend von den Monatsereignissen, ein paar Vorschläge: „Forrest Trump“: Ein Einfaltspinsel schafft es durch einige putzige Zufälle bis ins Weiße Haus. Dort kommt es zum präsidialen Händeschütteln. Kleiner Unterschied zum ähnlich klingenden „Forrest Gump“: Hier sind Einfaltspinsel und Präsident ein und dieselbe Person.

„Apokalypse Wow“: In der Fortsetzung von „Forrest Trump“ hat der Einfaltspinsel entdeckt, dass er tolle Waffen zum Krieg-Spielen hat, und er droht damit seinem Rivalen Prahlhans Putin (Bekannt aus „Nackte Oberkörper, Teil 2“): „Mach dich bereit, Russland, denn sie werden kommen, hübsch und neu und intelligent“. Viele staunen. Dachten sie doch nicht mehr, dass etwas Hübsches und Intelligentes aus dem Weißen Haus kommen kann. Es folgen Militärschläge. Ein wirrer Kriegsfilm ohne sympathische Protagonisten oder erkennbaren Plot.

„Denn wir wissen nicht, was sie tun: Die Groko trifft sich in Meseberg zum gegenseitigen Beschnuppern. Und um etwas zu besprechen, was sie aber der Öffentlichkeit noch nicht sagen kann. Ein anspruchsvoller Autorenfilm mit dem Charme eines Telefonbuchs: Viele Personen, wenig Handlung.

„Dirty Voting“: „So viele haben in Ungarn den Demokratiemuffel Viktor Orban gewählt, und doch will’s keiner gewesen sein? Die Opposition spricht von Wahlfälschung und geht auf die Straße. Im Vergleich zu den Tanzszenen im ähnlich klingenden „Dirty Dancing“ fällt diese Bewegung etwas steif aus.

„Das Leben der Anderen“: Ein bewegendes Drama um einen tragisch missverstandenen Helden. Mark Zuckerberg hat die Stasi neu erfunden – auf freiwilliger Basis und mit toller Werbung. Trotzdem wird ihm das nicht gedankt. Er muss sogar vor einem Ausschuss aussagen, nur weil ein paar Hundert Millionen „Daten-Huren“, früher Nutzer genannt, plötzlich herumzicken und ihre Privatsphäre zudecken wollen. Sehr unfair. Schließlich legt Zuckerberg inzwischen viel mehr Wert auf Sicherheit: Er steckte immerhin 7,3 Millionen Dollar in Schutzvorrichtungen bei seinem Privatanwesen.

„Wolfsburgs Werk und Teufels Beitrag“: Eine komplizierte Aufarbeitung des Abgasskandals bei VW. In den Hauptrollen sind der Aufsichtsrat, das Land Niedersachsen, der neue Konzernchef Herbert Diess, sein Vorgänger Matthias Müller und ein paar Affen zu sehen. Tolle Schlusspointe, die nicht durch Spoiler verraten werden darf: Diejenigen, die nichts hören, nichts sehen und nicht reden, sind nicht die Affen.

„Lost in Neumünster“: Der absolute Blockbuster – in Saudi- Arabien und weltweit! In dieser Fortsetzung von „Catalonia mon amour“ und „Auf der Flucht“ wird Rebellenführer Carles Puigdemont ausgerechnet in Schleswig-Holstein inhaftiert. Zwar nur für ein paar Tage, aber diese verändern ihn. Denn dort in der norddeutschen Provinz kommen ihm die ersten Zweifel, ob wirklich jede Region Europas unabhängig werden sollte. Schlüsselszene: Er glaubt, dass er als Folter die blutigen Eingeweide seiner Mitstreiter essen soll. Dabei handelt es sich beim Gefängnis- Nachtisch nur um Rote Grütze.

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