Pia Rolfs

Portfolio

Potpourri August 2016

Der satirische Monatsrückblick „Pias Potpourri“ ist vielseitig. Von Juli 2007 bis März 2014 war er ein Audio-Podcast, im Mai und Juni 2014 machte er einen Ausflug in die Video-Welt. Seit Juli 2014 ist er an jedem Monatsende eine Rubrik in der Print-Ausgabe der „Frankfurter Neuen Presse“. Getreu dem Motto: Print wirkt – hoffentlich auch auf die Lachmuskeln.

Pias Potpourri August 2016

STINKEFINGER-ZEIGEN WIRD OLYMPISCHE DISZIPLIN

Höher, schneller, weiter, besser gedopt: Die ganze Welt war in diesem Monat von den Olympischen Spielen in Rio fasziniert. Doch leider dauern diese nur zwei Wochen – und es stellt sich die Frage: Sollten auch in anderen Bereichen Medaillen vergeben werden?

Anwärter auf eine Bronzemedaille in der Disziplin „Sparer-Abschreckung“ wäre zum Beispiel die Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee. Sie hat als erste deutsche Bank den Negativzins für Tagesgeld- und Girokonten beschlossen. Das ist schon mal eine Leistung, könnte allerdings noch gesteigert werden: Etwa dadurch, dass Menschen, die ihr Geld sinnloserweise anlegen wollen, künftig vor der Bank symbolisch geohrfeigt werden. Die Todesstrafe fürs Sparen muss ja nicht unbedingt eingeführt werden – jedenfalls vorerst nicht.

Unkomplizierter scheint da eine Geldanlage im Darknet zu sein, das damit eine Art schwarze Medaille verdient. Denn da werden offenbar auch größere Sparguthaben verwandelt – zum Beispiel in Waffen und Drogen. Hoch sind die Hürden wohl nicht, sogar ein ungeschickter Marburger konnte da mitmischen. Laien seien allerdings gewarnt: Nur weil der Computer mal abstürzt und der Bildschirm dunkel wird, handelt es sich dabei noch nicht um das Darknet.

Erstaunlicherweise gibt es im Darknet, soweit bekannt, kein Toilettenpapier. Dabei kann das wirklich Böses anrichten. Auf der Kanareninsel La Palma zündete ein Hippie aus Hattersheim diesen Hygieneartikel nach durchaus korrekter Benutzung an und verursachte damit einen schweren Waldbrand. Damit hat er große Chancen auf eine Goldmedaille in der Kategorie „folgenschwerstes Austreten“.

Dass manche Ehe ein Griff ins Klo sein kann, ist bekannt. Aber gerade bei Jogi Löw hatte das niemand gedacht. Schienen sich doch beide Partner gut zu arrangieren, womit auch immer. Dennoch trennte sich der Bundestrainer von seiner Ehefrau Daniela – so diskret, dass diese Trennung eine Silbermedaille verdient. Nein, leider kein Gold. Denn im Nachhinein fällt eine verräterische Äußerung aus dem letzten Jahr auf. Da sagte Jogi über Daniela: „Sie ist immer für mich da.“ Und welcher Mann will schon eine Frau, die immer da ist.

Manchen Paaren wird ja schon die Zweisamkeit im Sommerurlaub zu viel – und auf  Mallorca könnte die Lage noch eskalieren, wenn der Partner plötzlich nicht mehr duscht. Auf der Insel wird nämlich gerade das Wasser knapp. Dabei verhalten sich manche Touristen in dieser Hinsicht so umweltbewusst, dass sie dafür eine Goldmedaille verdient hätten: Sie trinken gar kein Wasser, sondern nur Sangria.

Und eigentlich sollte endlich mal ein Monatsrückblick ohne Sigmar Gabriel auskommen. Aber daraus wird wieder nichts. Streckte doch der SPD-Chef in Salzgitter beim Kontakt mit Pöblern spontan seine olympiareifen Mittelfinger-Muskeln. Damit machte er den Weg hoffentlich frei für die olympische Disziplin Stinkefinger-Zeigen, in der schon sein Parteigenosse Peer Steinbrück die Messlatte einst sehr hoch legte. Aber nur Gabriel ist durch und durch vom olympischen Geist beseelt. Denn wenn es um Äußerungen zur Politik im Sommerloch geht, verfolgt er stets das Motto: „Dabeisein ist alles.“