Pia Rolfs

Portfolio

Potpourri August 2017

Der satirische Monatsrückblick „Pias Potpourri“ ist vielseitig. Von Juli 2007 bis März 2014 war er ein Audio-Podcast, im Mai und Juni 2014 machte er einen Ausflug in die Video-Welt. Seit Juli 2014 ist er an jedem Monatsende eine Rubrik in der Print-Ausgabe der „Frankfurter Neuen Presse“. Getreu dem Motto: Print wirkt – hoffentlich auch auf die Lachmuskeln.

Pias Potpourri August 2017

 

PFÄNDER, SPENDER, FAHRRADSTÄNDER

Übersinnliches liegt dem Potpourri eigentlich fern, aber jetzt müssen wir doch zugeben: Dieser Monat war magisch – und was passierte, kann kein Zufall sein. Es ist Schicksal, Dummheit  oder Wahnsinn – oder wie ein prominenter Ex-Nationalspieler an dieser Stelle sagen würde: vermutlich beides.

So beklagten wir vor genau einem Monat das Verstummen des Ex-Alphamännchens Lothar Matthäus – und kurz darauf meldete er sich wieder zurück. Mit den legendären Worten „Wäre, wäre, Fahrradkette“. Das wurde belacht, weil es nicht das korrekte Zitat des großen Philosophen Peer Steinbrück über hypothetische Annahmen war ( „Hätte, hätte, Fahrradkette“). Aber wir wissen natürlich: Matthäus wurde nur falsch interpretiert.

So ist er Gründer einer neuen Poesie-Richtung, die die ökologisch so wichtigen Fahrradteile endlich in der Sprache verankert, besser gesagt: festkettet. Und für das Reimen braucht er nur noch etwas Zeit. Aber sollte Lothar Matthäus irgendwann mit der Treue seiner fünften Frau und dem von ihr gekochten Essen gleichermaßen unzufrieden sein, kommt es ihm sicherlich flüssig von den Lippen: „Schlampe, Pampe, Fahrradlampe“.

Solch grober Worte bedient sich ein Royal natürlich nicht. Aber der dänische Prinz Henrik hat andere Wege, es seiner Frau, Königin Margrethe, heimzuzahlen. So möchte er die Bestattung in der gemeinsamen Familiengruft verweigern – dabei ist er noch nicht mal tot. Viele wissen allerdings: Bei renitenten Gatten geht das manchmal schneller als gedacht. So könnte ihm die Königin angesichts des Fipronil-Skandals einfach eine Überdosis belgischer Frühstückseier servieren lassen. Im Land, wo sich auch die Blaublüter auf den Drahtesel schwingen, scheint aber eine andere Methode möglicherweise wirksamer: Henker, Schwenker, Fahrradlenker.

Immerhin kommt man mit dem Fahrrad bald aber vielleicht noch  weiter als mit Air Berlin. Die Fluglinie ist insolvent, und wer da am Ende Geld in die Hand nimmt, ist noch unklar. Pfänder, Spender, Fahrradständer. Kunden sollten sich aber keine Sorgen machen. Zwar sind noch Flüge zu buchen, die längst gestrichen sind. Aber „Luftbuchungen“ ist schließlich ein geflügeltes Wort. Und alles wird gut, solange Norbert Blüm nicht als neuer Air-Berlin-Sprecher verkündet: „Die Flüge sind sicher.“

Und für die reibungslose, skandalfreie Mobilität gibt es ja immer noch VW, die Regierungspartei von Niedersachsen, die Autos herstellt. Na gut, manche glaubten bisher irrtümlich, das Bundesland werde gelegentlich von der SPD oder der CDU regiert. Deswegen war gleich von einer Krise die Rede, als bekannt wurde, dass der Konzern die Reden des Ministerpräsidenten korrigiert – und zuvor war auch noch die rot-grüne Mehrheit nach dem Parteiwechsel einer Abgeordneten futsch. Alles nur Hysterie. Denn wenn erst einmal offen gesagt wird, dass VW alle Geschicke lenkt, wirkt das Bundesland zwischen Nordsee, Harz und Dauersumpf gleich viel stabiler. Klüngel, Schlingel, Fahrradklingel.

Möglicherweise gibt es ja dort oder bei Air Berlin auch einen neuen Job für Stephen Bannon, den US-Präsident Donald Trump gerade entlassen hat. Das war natürlich unvermeidbar, galt doch der ultrakonservative Bannon als Chefstratege hinter Trumps Wahlkampf. Und jede Form von Strategie  engt die kindliche Spontanität des Präsidenten gerade in Kriegsfragen einfach unzulässig ein. Schlechter Rat, Psychopath, Hinterrad.

Aber diejenigen, die sich schon in ihrem Markenkern für den Frieden einsetzen, ernten Kritik. So wählte der Verein Deutsche Sprache die Evangelische Kirche zum „Sprachpanscher des Jahres“. Nur weil sie das kostenlose WLAN in Kirchen auf gut Denglisch „Godspot“ nennt. Dabei wäre „Gottspott“ eindeutig ketzerisch gewesen. Vielleicht hätte es den Sprachhütern besser gefallen, wenn sich die Kirche der neuen sprachlichen Dreieinigkeit angeschlossen und einen Fahrradbegriff eingefügt hätte. Dann hieße es bald, ganz ohne böse Anglizismen: Erbarmen, Amen, Fahrradrahmen.