Pia Rolfs

Portfolio

Potpourri Dezember 2014

Der satirische Monatsrückblick „Pias Potpourri“ ist vielseitig. Von Juli 2007 bis März 2014 war er ein Audio-Podcast, im Mai und Juni 2014 machte er einen Ausflug in die Video-Welt. Seit Juli 2014 ist er an jedem letzten Donnerstag des Monats eine Rubrik in der Print-Ausgabe der „Frankfurter Neuen Presse“. Getreu dem Motto: Print wirkt – hoffentlich auch auf die Lachmuskeln.

 

Pias Potpourri Dezember 2014

Es ist noch nicht aller Tage Abendland

Hesieda! Nein, das ist keine plumpe Anrede zum Einstieg. Sondern eine Abkürzung für „Heimliche Ekelpakete schaffen Idiotisierung eines deprimierten Abendlandes.“ Denn ohne Abkürzungen ging in diesem Monat gar nichts mehr, und ein Satz ohne Abendland darf eigentlich nicht mehr formuliert werden. Es ist noch nicht aller Tage Abendland, aber vermutlich sehr bald.

Schließlich nehmen immer mehr Menschen in Dresden an Pegida-Demonstrationen teil. Pegida ist als Abkürzung so knackig wie IS („Islamischer Staat“) und Hogesa („Hooligans gegen Salafisten“) und steht offiziell für „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Inhaltlich orientiert sich die Bewegung aber eher an der alten Abkürzung DbddhkP („Doof bleibt doof, da helfen keine Pillen“). Nur ist alles, was mit DB anfängt, bei Aktivisten offenbar verpönt. Da bewegt sich zu wenig.

Aber wo liegt eigentlich dieses Abendland, und ist es überhaupt noch zu retten? Manche meinen ja, es sei mit dem letzten „Wetten, dass..?“ bereits untergegangen. Das ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Denn so lang wie bei der finalen Sendung aus Nürnberg wird dem Fernsehzuschauer wohl nie wieder ein Abend vorkommen. 65 Minuten überzogen – hoffentlich können die am Lebensende noch nachgeholt werden. Aber das ZDF hat sich eben gewandelt: vom „Guudnnaaaabnd“-Land (Mainzelmännchen-Gruß), zum Lebensabendland. Das ist besser als nichts, aber auch viel langweiliger.

Wer jedoch das Abendland nur als ein Land definiert, in dem keine Flüchtlinge Platz finden sollten, hat gar nichts gelernt. Nicht einmal von Monaco. Der Zwergstaat nimmt seit Jahren erfolgreich Steuerflüchtlinge auf. Und seine aus Südafrika eingewanderte Fürstin durfte selbst dann nicht das Land verlassen, als sie es vor der Hochzeit angeblich unbedingt wollte. Das zahlt sich nun aus: Die Zwillinge von Fürst Albert und Charlène von Monaco erblickten in diesem Monat das Licht der Welt. Die Geburtenrate der Fürstin (zwei Kinder) liegt damit schon jetzt über der durchschnittlichen Geburtenrate pro Frau in Deutschland (neuerdings 1,41, ohne Ursula von der Leyen vermutlich 0,7)

Dabei gäbe es gerade jetzt sehr lange Abende zum Nachwuchszeugen. Aber was macht der deutsche Mann, wenn er nach Hause kommt? Erst einmal etwas essen, ergab eine Umfrage zum Thema Feierabend. Und hinterher wird es nicht besser. Das zeigen Liedzeilen, die nach dem Tod des großen Udo Jürgens wieder oft zu hören sind: „Und nach dem Abendessen sagte er, lass mich noch eben Zigaretten holen geh’n.“ Wir wissen, wie es weitergeht. Danach will der Erzähler seine Frau verlassen, in zerrissenen Jeans durch New York gehen – vor dem Abendbrot wäre das nie passiert. Da wäre er noch zu hungrig gewesen und zu faul, sich selbst eine Schnitte zu schmieren.

Denn Abendbrot und Feierabend gehören zu Deutschland einfach dazu. Wir sind das Abendbrotland und Feierabendland. Und vielleicht wird das nur sehr schön zu „Abendland“ verkürzt.