Pia Rolfs

Portfolio

Potpourri Dezember 2016

Der satirische Monatsrückblick „Pias Potpourri“ ist vielseitig. Von Juli 2007 bis März 2014 war er ein Audio-Podcast, im Mai und Juni 2014 machte er einen Ausflug in die Video-Welt. Seit Juli 2014 ist er an jedem Monatsende eine Rubrik in der Print-Ausgabe der „Frankfurter Neuen Presse“. Getreu dem Motto: Print wirkt – hoffentlich auch auf die Lachmuskeln.

Pias Potpourri Dezember 2016

 

SEX-ROBOTER KÖNNTEN MÖRTELS HEIRATSFREUDE GEFÄHRDEN

Gewaltig endet so das Jahr, würde Georg Trakl wohl sagen. Und er hätte Recht. Blieb doch im Dezember das Jahr 2016 seinen großen drei T-Themen treu: Terror, Trump und tote Musiker. Aber der zwölfte Monat zeigte glücklicherweise zwischendurch auch mal Sinn für Humor.

So bekam Österreich im Advent endlich einen Bundespräsidenten! Eine putzige Wende im Weltgeschehen, die bestimmt gar nicht mehr vorgesehen war. Die Wiederholung der Stichwahl zur Bundespräsidentenwahl endete nämlich mit dem Sieg des Grünen-Politikers Alexander Van der Bellen. Eigentlich schade. Es hätte nach dem Motto „Du glückliches Österreich, wähle!“ noch jahrelang so weitergehen können – mit einer Stichwahl zur Stichwahl zur Stichwahl der Bundespräsidentenwahl.

Aber immerhin haben unsere südlichen Nachbarn nun das schöne Wort des Jahres Bundespräsidentenstichwahlwiederholungsverschiebung. Da können wir mit unserem vom Oxford-Wörterbuch abgekupferten „postfaktisch“ leider nicht mithalten. Zumindest nicht faktisch.

Auch nach Spanien mussten wir in diesem Monat neidisch schielen. Denn dort freute sich eine darbende Ortschaft über den 32-Millionen-Euro-Gewinn der Weihnachtslotterie „El Gordo“, was auf deutsch „Der Dicke“ heißt. Darbende Menschen ohne jede Zukunftsperspektive, die sich unverhofft wie wahnsinnig über den Dicken freuen – das gibt es in Deutschland nicht mal mehr bei der SPD.

Doch obwohl der Gedankensprung zu Sigmar Gabriel jetzt unfassbar weit ist: Politiker müssen nicht attraktiv sein. Schließlich beschäftigten sich Wissenschaftler auf einer Konferenz in London mit Sex-Robotern, die solche Bedürfnisse bald noch besser erfüllen können. Allerdings scheinen noch nicht alle ethischen Probleme ausgeräumt: Denn wenn Roboter die perfekten Bettgenossen werden – müssen sie sich dann auch mit Filmstar Til Schweiger auf dem roten Teppich fotografieren lassen? Darf ein Roboter Donald Trumps neue First Lady werden, wenn Melania zu alt wird? Und was bedeutet die Existenz von Sex-Automaten für die Heiratsfreude von Mörtel Lugner, der gerade seine fünfte Ehe hinter sich hat? Vermutlich könnten sie sie gefährden.

Ebenfalls ganz neu überdacht, wenn nicht gar für völlig sinnlos erklärt werden müsste dann der Karneval. Aber für den kam es in diesem Monat ohnehin knüppeldicke. Wurde doch seine bundesweite Variante nicht in das Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen – im Gegensatz zur ostfriesischen Teekultur. Das klingt brutal, lässt sich aber erklären. Denn die Teekultur hat schließlich Maßstäbe gesetzt für die politische Entscheidungskultur in diesem Land: Abwarten und Tee trinken – auch wenn es ziemlich bitter ist. Und dabei bloß nichts umrühren.

Unverständlich bleibt jedoch, warum das seine entspannende Wirkung auf die meisten verfehlt. Laut einer Ipsos-Umfrage zum Optimismus blickt nur jeder Fünfte zuversichtlich ins neue Jahr – vermutlich konnte auch nicht mehr jeder über seinen eigenen Bauch hinwegblicken. Allerdings wurde diese Umfrage am zweiten Weihnachtstag veröffentlicht, der in anderen Ländern kein Feiertag mehr ist und dort als „Tag des Jammerlappens“ gilt. In Deutschland wäre das undenkbar. Würde doch ein einziger Tag im Jahr fürs Jammern niemals ausreichen. In diesem Jahr gab es daher sogar 366 Tage zu diesem Zweck – im nächsten sind es aber nur 365. Und da soll noch einer sagen: Frohes neues Jahr!