Pia Rolfs

Portfolio

Potpourri Februar 2015

Der satirische Monatsrückblick „Pias Potpourri“ ist vielseitig. Von Juli 2007 bis März 2014 war er ein Audio-Podcast, im Mai und Juni 2014 machte er einen Ausflug in die Video-Welt. Seit Juli 2014 ist er an jedem letzten Donnerstag des Monats eine Rubrik in der Print-Ausgabe der „Frankfurter Neuen Presse“. Getreu dem Motto: Print wirkt – hoffentlich auch auf die Lachmuskeln.

 

Pias Potpourri Februar 2015

Die Zeit ist reif fürs Moral-Fasten und Niveau-Fasten

Die Zeiten sind hart – und das ist auch gut so. Schließlich geht es darum, sich in der Fastenzeit selbst zu kasteien. Und manche konnten im Februar 2015 damit nicht bis Aschermittwoch warten.

So hat die IG Bau älteren Menschen schon Anfang des Monats ein Quadratmeter-Fasten vorgeschlagen. Sollten doch Senioren in kleinere Wohnungen ziehen, um Platz für Familien zu machen. Diese Idee zeigte gleichzeitig auch konsequentes Denk-Fasten. Schließlich müssen Senioren in kleinen Wohnungen mehr zahlen – das schmälert das Erbe für die Nachkommen. Und Eltern und Kinder reden oft nur noch miteinander, wenn sie sich gegenseitig stören, auf die Nerven gehen und aufeinanderhocken. Diese wertvolle Kommunikation wird in einer großen Familienwohnung deutlich erschwert.

Aber immerhin gibt es beim Zusammenrücken ein prominentes Vorbild: Ex-IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn, mit 65 Jahren eindeutig ein Senior, hat sich auf kleinstem Raum mit mehreren Prostituierten vergnügt. Das wird völlig zu Unrecht als Orgie und Zuhälterei gescholten, denn es sollte bestimmt nur Platz sparen. Und gleichzeitig setzt es neue Maßstäbe beim gerade sehr populären Moral-Fasten.

Andere bevorzugen dagegen das Höflichkeitsfasten und setzen es um durch Wutanfälle im Flugzeug. Weil die Tochter des Chefs von Korean Air angesichts von Macadamia-Nüssen ohne Schälchen ausrastete, wurde sie jetzt zu einem Jahr Haft verurteilt. Das hieß dann zu Recht Nuss-Affäre, machte es doch sowohl die Macadamia-Nüsse in Korea als auch die tauben Nüsse an der Führungsspitze bekannt. Anderen auf die Nüsse ging dagegen Hotelerbe Conrad Hilton, als er im Flugzeug schrie: „Ich könnte dafür sorgen, dass ihr alle innerhalb von fünf Minuten gefeuert werdet.“ Erfahrene Manager wissen längst: So etwas tut man, spricht jedoch nicht darüber. Das ist gegenüber den bald Entlassenen sehr unhöflich.

Bald kommt nun auch Hilton vor Gericht, aber das könnte mit einem Gitter-Fasten enden – wie das Urteil gegen Costa-Concordia-Kapitän Francesco Schettino. Denn obwohl dieser 16 Jahre Haft aufgebrummt bekam, bleibt er vorerst auf freiem Fuß. Völlig verständlich. Schließlich ist Schettino nach eigener Aussage ja auch „zum Teil gestorben“, als er das sinkende Schiff verließ und ins Rettungsboot fiel. Und dieser verstorbene Teil ist schließlich in seinem lebenden Körper schon eingesperrt genug.

Immerhin wird der arme Kapitän nicht durch eine Einweisung in ein deutsches Krankenhaus bestraft. Hat doch der Keimskandal am Universitätsklinikum Kiel gezeigt, wie ernst es viele Kliniken mit dem Hygiene-Fasten nehmen. Viele Pfleger und Ärzte möchten sich ja gern ständig die Hände waschen, halten sich aber bewusst zurück. Wenn sie später nämlich auch noch ihre Hände in Unschuld waschen müssen, wird die Haut einfach zu trocken.

In der Griechenland-Krise setzten die neuen Politstars, Finanzminister Yanis Varoufakis und Regierungschef Alexis Tsipras, auf Krawatten-Fasten und Rückzahlungsfasten. Das könnte jedoch im nicht so beliebten Euro-Fasten enden.

Welche Verzichtsmöglichkeit aber bleibt dem kleinen Mann übrig, der kein Staatschef ist, keine Fluglinie besitzt und bei den Einladungen zu den Strauss-Kahn-Orgien mal wieder nicht im Verteiler steht? Leider nur das Niveau-Fasten. Auch dafür gab es Gelegenheiten – Karneval und die Premiere von Fifty Shades of Grey! Manche konnten den Film über eine SM-Beziehung vom Fasching ja kaum unterscheiden, da es in beiden Fällen ums Verkleiden und seltsame Rituale geht. Doch im Grunde ist es ganz einfach: Der Karneval ist nur quälend, aber nicht fesselnd.

Sie ahnen natürlich schon: Dieser Monatsrückblick steuert jetzt auf einen Höhepunkt zu, gegen den jeder Orgasmus in „Fifty Shades of Grey“ nur ein müder Seufzer ist. Aber leider muss Ihnen dieser nun mit der unzuverlässigen Methode „Potpourri interruptus“ vorenthalten werden. Denn „Pias Potpourri“ macht gerade Pointen-Fasten.