Pia Rolfs

Portfolio

Potpourri Februar 2016

Der satirische Monatsrückblick „Pias Potpourri“ ist vielseitig. Von Juli 2007 bis März 2014 war er ein Audio-Podcast, im Mai und Juni 2014 machte er einen Ausflug in die Video-Welt. Seit Juli 2014 ist er an jedem Monatsende eine Rubrik in der Print-Ausgabe der „Frankfurter Neuen Presse“. Getreu dem Motto: Print wirkt – hoffentlich auch auf die Lachmuskeln.

Pias Potpourri Februar 2016

WELCH EIN GLÜCK, JETZT WIRD ES AFFIG!

Dieser Monat muss einen Tag in die Verlängerung gehen. Denn bislang ist nicht ganz klar: Ist die Welt noch ein bisschen Schaf? Oder schon richtig Affe? Laut dem chinesischen Mondhoroskop ist die Sache eindeutig: Das Jahr des glücklosen Schafs ist seit Mitte Februar zu Ende – das Jahr des Affen hat begonnen. Und der ist aktiv, verspielt und erfolgreich. Doch bei uns im Guten-Abend-Land ist noch nicht ganz klar, wie der Kampf Schaf gegen Affe endet.
In den Syrien-Gesprächen und Brexit-Verhandlungen etwa steckte eindeutig mehr Schaf. Denn die waren glücklos: Syrien ist noch im Krieg, soll dort aber raus. Großbritannien ist noch in der EU, möchte aber nicht mehr so recht. Und ob die Deutschen als Entschädigung die Queen bekommen, wenn die Briten austreten, wurde nicht einmal angesprochen.
Bedröppelt wie Schafe schauten ebenfalls viele Narren, denn in vielen Städten fielen die Rosenmontagszüge aus. Manche sagen allerdings, dieser Gesichtsausdruck sei in Karnevalshochburgen unabhängig vom Mondjahr – und der wahre Grund dafür, dass sich Menschen dort überhaupt verkleiden. Und einige Ehemänner sind ja ganzjährig ein Wolf im Schafspelz –das ist natürlich keine Anspielung auf Bundesjustizminister Heiko Maas. Hier soll seine Trennung von der Ehefrau und seine mutmaßliche Affäre mit Schauspielerin Natalia Wörner aus Gründen der Diskretion nämlich überhaupt nicht erwähnt werden.
Aber die verspielten Erfolge, die für das Affenjahr typisch sind, gab es auch jenseits des politischen Liebeslebens. So machte ein Kulturpreis endlich klar, wie toll deutsche Schauspieler sind. Na gut, vielleicht nicht bei der Berlinale oder Oscar- Verleihung, aber dafür bei der Kür des schönsten Katzenvideos in Düsseldorf. Und diese Preisverleihung ist der Veranstaltung in Los Angeles in einem Punkt voraus: Bei den Katzenvideos sind auch schwarze Darsteller dabei.
Schließlich erhält in unserem Land jeder seine Chance – sogar Lehrer, die laut einer neuen Studie ungern im Team arbeiten. So ist eine Religionslehrerin nun offiziell die schönste Frau Deutschlands. Die neue „Miss Germany“ Lena Bröder hatte es vorher bereits 30 Mal bei Misswahlen versucht – wie schön, dass ihre Arbeitszeit das möglich machte. Aber sie traf auch auf eine äußerst kompetente Jury: Denn wenn sich CDU-Politiker Wolfgang Bosbach, ESC-Urgestein Ralph Siegel, Schönheitschirurg Werner Mang und Lifting-Opfer Natascha Ochsenknecht nicht zu Experten des guten Aussehens qualifiziert haben, wäre Deutschland ja wirklich ein Affenstall.
Immerhin hat Ralph Siegel damit ein neues Standbein, denn den Eurovision Song Contest (ESC) muss er wohl aufgeben. Beim deutschen Vorentscheid siegte Jamie- Lee Kriewitz aus Hannover – der heimlichen Glamourmetropole Deutschlands, die bereits Showtalente wie Lena, Oliver Pocher und Christian Wulff hervorbrachte. Siegel dagegen kam mit seiner Kandidatin Laura Pinski nicht mal unter die letzten drei. Nun müsste er, gemessen an seiner eigenen Ankündigung, aufhören. Sollte er aber doch wieder antreten, dann nur im Geiste des Affenjahres. Denn so könnte er vielen ESC-Fans den Ausruf entlocken: „Siegel macht doch noch weiter? Mich laust der Affe!“
Dabei sollte Lausen keinesfalls unterschätzt werden. Schließlich können sich Affen so von Schädlingen befreien, die Menschen dagegen das Zika-Virus immer noch nicht besiegen. Immerhin ist es trotz ähnlichen Namens keinesfalls mit dem Zicken-Virus verwandt. Dieses wird in Deutschland nicht von Mücken, sondern von Sendern übertragen und verursacht folgende Symptome: Mädchen, die nach oberflächlichen Untersuchungen durch den Fernsehzuschauer ein sehr kleines Gehirn haben, kämpfen darum, die Schönste zu werden. Und das ist total realitätsfern, da sie keine Religionslehrerinnen sind.
Manche dachten schon, es handelt sich bei diesem Wahn um das von Schafen bekannte Q-Fieber in der Abwandlung Blöde-Q-Fieber – das wäre wieder ein Punkt für die Macht des Schafsjahrs. Aber der Eindruck täuscht. Ist es doch vielmehr von drei affigen Juroren auf den Menschen übergesprungen – also auf eine völlig andere Art. Und das Vollbild der Krankheit ist länger bekannt, tritt glücklicherweise aber immer nur Anfang des Jahres an Donnerstagen auf. Es heißt „Germany’s Next Topmodel“.