Pia Rolfs

Portfolio

Potpourri Februar 2017

Der satirische Monatsrückblick „Pias Potpourri“ ist vielseitig. Von Juli 2007 bis März 2014 war er ein Audio-Podcast, im Mai und Juni 2014 machte er einen Ausflug in die Video-Welt. Seit Juli 2014 ist er an jedem Monatsende eine Rubrik in der Print-Ausgabe der „Frankfurter Neuen Presse“. Getreu dem Motto: Print wirkt – hoffentlich auch auf die Lachmuskeln.

 

ÜBER SIEBEN ERDEN MUSST DU GEH’N

Der Valentinstag ist vorbei, die Weiberfastnacht auch – und mancher hat da in diesem Februar beim Flirtversuch verbrannte Erde hinterlassen. Aber keine Sorge. Es ist nicht die einzige. Na gut, es war vielleicht die einzige passende Frau. Aber nicht die einzige Erde.

Forscher haben nämlich bei dem Roten Zwergstern Trappist-1 sieben erdähnliche Planeten entdeckt. Sieben! Manche sehen da gleich einen Lichtstreif am multiplen Horizont und summen, im Anklang an das alte „Karat“-Lied: „Über sieben Erden musst du gehen, sieben dunkle Jahre überstehen“. Pragmatiker stellen sich aber natürlich sofort die Frage: Wie lassen sich diese sieben Himmelskörper am besten nutzen?

Einer zum Beispiel sollte für Vegetarier reserviert werden. Denn die bedrohen sonst das Lebensgefühl in Kassel – zwei Worte, von denen manche bisher gar nicht wussten, dass sie überhaupt zusammenpassen. So tobt dort ein Würstchenstreit, weil ein Fest diesmal ohne drei Grillfleisch- Stände gefeiert werden soll. Das klingt tierfreundlich, ist aber gegen die Tradition. Denn bisher war Kassel immer voller Würstchen – und dazu kamen dann noch die entsprechenden Lebensmittel.

Ob allerdings Waldorf-Pädagogen auf dem erdähnlichen Planeten mit Vegetariern gemischt werden sollten, ist zweifelhaft. Vermutlich brauchen sie eine Extra- Erde, um einen verstörenden Fall aufzuarbeiten. Begann doch der Kettensägen-Prozess gegen eine Waldorf-Pädagogik-Studentin, die ihren Partner beim Sex köpfte – statt ihren Unmut über die Beziehung nur zu tanzen. Das zeigt hoffentlich keinen tiefgreifenden

Wandel im Konzept, stimmt aber auch sonst nachdenklich. Denn zusätzlich zur Säge hatte die Frau eine Lese-Rechtschreib-Schwäche. Und wenn sich jemand da noch Chancen auf den Schuldienst ausrechnet, ist der Lehrermangel wirklich eklatant.

Ein dritter erdähnlicher Planet sollte den Kindern vorbehalten bleiben, dann haben die endlich ihre Ruhe vor ihren Helikopter-Eltern und werden nicht mehr von ihren eigenen Puppen abgehört. Das Spielzeug „My Friend Cayla“ wurde deswegen von der Bundesnetzagentur vom Markt genommen. Andere wären da vermutlich weniger streng. Schließlich hat US-Präsident Donald Trump in seinen Privaträumen sogar das Spielzeug „My Wife Melania“. Und das hat ebenfalls Ohren, auch wenn da niemand zuerst hinsieht.

Immerhin ist Abhören eine Form des Zuhörens – und vielleicht werden künftig unzufriedene Paare nach dem verpassten Valentinstag nicht mehr klagen: „Du hörst mir gar nicht mehr zu.“ Sondern: „Du hörst mich gar nicht mehr ab.“ Aber dass Männer und Frauen auf verschiedenen Planeten leben oder leben sollten, ist bekannt – die erdähnlichen Planeten vier und fünf sind damit schon vergeben.

Planet sechs allerdings gehört einem Ausnahmepaar: dem Frauenheld-Darsteller George Clooney und seiner Ehefrau Amal. Beide gaben bekannt, dass sie Eltern von Zwillingen werden. Das garantiert eine lebenslange Liebe – jedenfalls in der wissenschaftlichen Messeinheit Pitt-Jolie (auf Erden 15 Menschenjahre).

Bleibt noch der siebte Planet. Der sollte kultischen Handlungen vorbehalten bleiben, die neuerdings einem Mann mit Fusselbart und altmodischer Brille gelten: Martin Schulz. Seine Anhänger sehen ihn als Retter und würden sich bestimmt eine Martin-Schulz-Playmobilfigur auf den Hausaltar stellen, wenn es die denn schon gäbe. Kritiker meinen allerdings, der neue Kanzlerkandidat sei doch nur von dieser Welt. Denn er gehört zwar ebenfalls zu einem Roten Zwerg. Der aber möchte in unserem System partout nicht so heißen und nennt sich standhaft SPD.