Pia Rolfs

Portfolio

Potpourri Februar 2020

WAHNSINN MIT BONUSTAG

Sie sind fertig mit dem Februar? Er aber noch nicht mit Ihnen. Denn er gewährt heute einen seltenen Bonustag, oder wie es als Marketing-Strategie hieße: „Nimm 28, bekomm einen gratis.“ Wenn Sie weiterlesen, werden Sie wissen, warum.

So muss der Monat in die Verlängerung gehen, weil das Lachen sehr kurz kam – nicht nur wegen traditioneller Humor-Engpässe im Karneval. Denn Stürme, Viren und Menschen drehten permanent durch, der Wahnsinn breitete sich noch schneller aus als die Corona-Epidemie.

Der 29. Februar reiht sich aber auch folgerichtig ein in eine Serie von Raritäten, die den Monat und damit auch diesen Rückblick zum wertvollen Sammlerstück macht. So wurde vor lauter extremen Machtgelüsten sogar ein FDP-Ministerpräsident gewählt – auch wenn manche danach Thüringen am liebsten abgeriegelt und unter politische Quarantäne gestellt hätten. Einen viel besseren Plan gibt es übrigens bislang noch nicht.

Fast ebenso selten: Die SPD war wieder erfolgreich – nicht nur in Hamburg, sondern auch als Vorbild für die Melodramen der großen Koalition. Denn wer Intrigen, Streit, Selbstdemontage, Parteichefin-Rücktritt verfolgte und sich schon in der Zeitschleife gefangen glaubte, rieb sich irgendwann erstaunt die Augen: Das war ja gar nicht die SPD, sondern die CDU.

Vielleicht sollten beide Parteien  statt Vorsitzenden lieber „Mister CDU“  oder „Mrs. SPD“ wählen, auch wenn ihre Politiker oft nicht mehr taufrisch sind. Schließlich wurde nun eine 35-Jährige zur Miss Germany. Das ist ein selten klares Bekenntnis zum demografischen Wandel, in der AfD längst ergänzt um den demagogischen Wandel. Einziger Unterschied zur Politik: Bei Miss-Wahlen zählt auch der Charakter.

Eigentlich wollte der Februar aber nicht aufhören, weil der Merz vor der Tür stand – im Kalender fälschlich noch „März“ geschrieben. Doch der ließ sich nicht stoppen. Friedrich Merz greift nun tatsächlich nach dem CDU-Vorsitz. Dabei hätte er vielleicht besser statt des Sängers Ben Dolic der deutsche Kandidat für den Eurovision Song Contest werden sollen. Glaubt der Politiker doch grundlos so fest an sich, wie es viele sensible Künstler einfach nicht können. Mit Liedern wie „Im Merzen ein Schlauer die Wähler einspannt“ hätte er alte Volkslieder umdichten können, begleitet vom vielstimmigen Kakophonie-Chor der Union. Das ist modern und landestypisch zugleich! Und eine innere Logik hätte die Wahl auch gehabt: Denn das einzige, was auf Merz‘ legendären Bierdeckel wirklich passt, sind die deutschen Erfolge beim ESC.

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