Pia Rolfs

Portfolio

Potpourri Januar 2016

Der satirische Monatsrückblick „Pias Potpourri“ ist vielseitig. Von Juli 2007 bis März 2014 war er ein Audio-Podcast, im Mai und Juni 2014 machte er einen Ausflug in die Video-Welt. Seit Juli 2014 ist er an jedem Monatsende eine Rubrik in der Print-Ausgabe der „Frankfurter Neuen Presse“. Getreu dem Motto: Print wirkt – hoffentlich auch auf die Lachmuskeln.

Pias Potpourri Januar 2016

EL CHAPO MUSS INS DSCHUNGELCAMP
Was für ein Jahresanfang! Wo andere Jahre noch ein paar Wochen vor sich hindösten, bevor sie richtig loslegten, hat sich der Januar 2016 keine Verschnaufpause gegönnt.
Gleich zu Beginn gab es massenhafte Belästigungen, Terroranschläge, Angriffe und Gewalt. Und viele Frauen sind auch jetzt bis ins Mark erschüttert. Denn sie mussten eine Demütigung erleben, mit der sie hier zu Lande nicht ernsthaft gerechnet hatten: Elyas M’Barek hat eine Freundin!
Jahrelang war der Schauspieler als Frauenschwarm gehandelt worden, der noch zu haben war. Manche hatten geglaubt, es handele sich um eine Art deutsch-türkischen George Clooney, der bloß ein paar Jahrzehnte und Homo-Gerüchte braucht, um die Richtige zu finden. Und jetzt das! Aber vielleicht verhält es sich mit der Beziehung von Elyas M’Barek wie mit dem offiziellen Sieg über Ebola: Der dauerte nur einen einzigen Tag – dann wurde der nächste Vorfall bekannt.
Aber Männer stecken eben in diesem Monat voller Überraschungen. Kirgisische Bergarbeiter etwa streikten, nur weil britischer Kollege ihre kulinarische Spezialität mit einem Pferdepenis verglich. Das zeigt zweierlei. Erstens: Penis-Vergleiche müssen im Sinne der Völkerverständigung verboten werden. Und zweitens: In Kirgisien gibt es kein RTL-„Dschungelcamp“. Hätte doch dort ständig gezeigte Verzehr von Tiergenitalien die Bevölkerung kulinarisch und psychisch abgehärtet. Oder wie man früher gesagt hätte: verroht.
Aber dafür erzielte das Dschungelcamp in Deutschland wieder Top-Quoten, obwohl der ideale Kandidat fehlte: El Chapo, der festgenommene mexikanische Drogenbaron. Zeigte der Verbrecher doch durch sein Interview mit Sean Penn und seinen Wunsch nach einer Verfilmung seines Lebens die absolut richtige Einstellung: „Hauptsache, in den Medien – auch wenn mich das ins Gefängnis bringt.“
Für die Zukunft sollte sich RTL aber überlegen, ob es die C-Promis wirklich in den australischen Dschungel schicken muss – oder ob nicht eine Extremsituation im zivilisationsfernen Ostfriesland reicht. Dort gibt es nämlich eine konkurrierende Survival-Show organisiert vom Spartensender DB: Hunderte Reisende aus Norddeich saßen bei Eisglätte in einem gestrandeten IC fest und kamen 22 Stunden später in Köln an – zumindest nach hochdeutscher Zeit. In Ostfriesland, wo die Uhren noch anders gehen, waren es vielleicht nur 22 Minuten. Aber Stranden in Ostfriesland liegt derzeit offenbar im Trend – sonst hätten sich ja auch nicht so viele Pottwale dorthin verirrt.
Wenn aber Menschen vom rechten Weg abkommen, wird oft ein Skandal draus. Manipulationsvorwürfe beim Tennis erschüttern die Republik – und dabei geht es nicht einmal um den alten Samenraub bei Ex-Tennisstar Boris Becker. Vielleicht sollte zum Abbau der permanenten Erregung einfach grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass Zahlen hübsche Dekorationen sind und nicht bierernst genommen werden sollten – weder bei ADAC-Tests noch bei VW-Abgaswerten, Griechenland-Schulden oder Sportergebnissen. Dann wird in den kommenden 14 Monaten des Jahres alles gleich hundert Mal entspannter – oder wie immer diese Zahl mit den fünf Nullen heißt.