Pia Rolfs

Portfolio

Potpourri Januar 2017

Der satirische Monatsrückblick „Pias Potpourri“ ist vielseitig. Von Juli 2007 bis März 2014 war er ein Audio-Podcast, im Mai und Juni 2014 machte er einen Ausflug in die Video-Welt. Seit Juli 2014 ist er an jedem Monatsende eine Rubrik in der Print-Ausgabe der „Frankfurter Neuen Presse“. Getreu dem Motto: Print wirkt – hoffentlich auch auf die Lachmuskeln.

Pias Potpourri Januar 2017

DER ATOMKOFFER GEHÖRT NICHT INS HANDGEPÄCK

Jedes Jahr sollte eine zweite Chance erhalten. Und daher wäre es nur fair und human, 2017 an dieser Stelle zu sagen: „Komm, fang noch einfach mal an. Denn den Januar 2017 kannst Du unmöglich ernst gemeint haben.“

So ist Donald Trump nicht nur im Besitz von US-Präsidentenamt und Atomkoffer – einem Gepäckstück, das bei den Fluglinien nie erwähnt wird und bestimmt nicht mehr unter die Handgepäcksregeln fällt. Nein, er hat auch die Stilkolumnen und die Sprache erobert. Und zwar mit Pauken und (Achtung, Wortwitz!) Trumpeten. Stellen sich doch viele inzwischen die Frage: Darf man mit dieser Frisur einen Krieg auslösen? Und die Mehrheitsmeinung scheint zu sein: Keinesfalls, dieses Styling ist dafür unpassend.

Chinesen allerdings werden das anders empfinden, schlägt doch Trumps Frisur eine schöne Brücke zum heute dort beginnenden „Jahr des Hahns“. Und das ist erstaunlicherweise nicht nach dem Flughafen Frankfurt-Hahn benannt, an dem Investoren aus dem Reich der Mitte ja auch schon einmal Interesse zeigten. Nein, es geht um viel Federlesens. Laut erfahrenen Astrologen und Legehennen neigen Hähne nämlich dazu, sich gerne auf besonders große und viele Projekte einzulassen – und möchten in ihrer Eitelkeit nicht wahrhaben, dass ihre Fähigkeiten begrenzt sind. So weit, so politisch. Das erklärt allerdings nicht, warum das Jahr des Hahnes so selten ist – das letzte war 2005. Schließlich macht bei uns im Westen fast jeder Mann mehrere Jahre des Hahns hintereinander durch, nennt das aber „Midlife Crisis“.

Und immerhin: Noch vor dem Beginn des Hahn-Jahres wurde in Hamburg die Elbphilharmonie eröffnet. Nach nur neunjähriger Bauzeit war das für manche Bundesbürger bestimmt ein großer Schock. Hatten doch über 20-Jährige damit zu ihren Lebzeiten nicht mehr gerechnet. Kein Wunder, dass die Fertigstellung des Berliner Flughafens jetzt unmöglich noch in diesem Jahr stattfinden kann. Diese wäre zu unwirklich und würde einen Eröffnungsstress bedeuten, vor dem die Deutschen nur noch ins Ausland fliehen könnten. Und dann startet am Ende noch eine Maschine vom Flughafen Kassel-Calden. Das kann niemand ernsthaft wollen.

Wohin aber sollte die Reise auch gehen? Viele kennen sich bei den komplizierten Ländernamen gar nicht mehr aus und würden vermutlich ein Land in einfacher Sprache bevorzugen. Analog zum Golden-Globe-Abräumer „La-La-Land“ empfiehlt sich daher die Umbenennung von Italien in „Trala-Land“ (wegen seiner Opern), Großbritannien in „No-No-Land“ (Brexit), Dänemark in „Ha-Ha-Land“ (wegen seiner Lebensfreude) und den USA in Gaga-Land (natürlich nur eine Anspielung auf Lady Gaga). Unbestätigten Gerüchten zufolge sehen manche Deutschland auch als Zah-la-Land (größter EU-Beitragszahler). Aber da kräht selbst momentan kein Hahn danach.