Pia Rolfs

Portfolio

Potpourri Januar 2018

GROKO-DEAL STATT KROKODIL

Dieser Monat war nichts für zarte Gemüter. Denn Fast-Promis, die ihren Zenit längst überschritten haben, zeigten fern der Zivilisation ihr wahres Gesicht und kämpften mit allen Mitteln dagegen, herausgewählt zu werden. Manche Szenen erschütterten selbst das ekelerprobte Publikum. Wer sich am Ende durch Lästern und Taktieren durchsetzt, steht nicht fest. Und das ist nur die Lage in der SPD.

Dass das viel uninteressantere RTL-Dschungelcamp angesichts dieser Konkurrenz an Quote verliert, ist kein Wunder. Selbst die gefährlichsten Tiere wirken da vergleichsweise plüschig. Was ist schon ein Krokodil gegen den nahen Groko-Deal? Jetzt endlich ist in Deutschland fast wieder alles so, wie es einmal war. Heureka! Oder wie es aus dem Altgriechischen derzeit frei übersetzt wird: Helau! Um die Verhandlungen zu erleichtern, schlagen wir allerdings ein paar neue Ministerien vor:

Ministerium für Einsamkeit: Wer hat’s erfunden? Die Briten. Früher redeten sie von „splendid isolation“ – herrlicher Isolation. Doch ausgerechnet in Brexit-Zeiten richten sie nun dieses Ministerium ein, weil klar wurde: Manche haben niemanden mehr, mit dem sie über die EU jammern können. In Deutschland fiele ein Ressort „Einsamkeit“ in die Zuständigkeit von Christian Lindner. Der gehört zwar den Groko-Parteien gar nicht an, aber gerade die FDP-Isolation durch seine Jamaika-Absage ist wirklich einsame Spitze.

Ministerium für Zweisamkeit: Hier muss Gerhard Schröder ran. Schließlich kann der Altkanzler als Erfinder der Ketten-Ehe gelten, plant er doch bereits seine fünfte Ehe, obwohl die vierte noch gar nicht beendet ist. Und wie das ausgeht, kann niemand sagen. Schließlich lautet ein bekannter Spruch Schröders: „Die Enten sind hinten fett.“ Das bezog sich aber, soweit bekannt, nie auf seine Ehefrauen.

Ministerium für Gleichberechtigung: Ursprünglich war hier Regisseur Dieter Wedel vorgesehen – wegen seiner Gleichberechtigung von Erst- und Zweitfrau. Aber nach Ermittlungen wegen sexueller Belästigung von weiteren Frauen muss umgedacht werden. Nun bleibt nur Regisseur Til Schweiger. Denn er sagte: „Bei mir hat noch keine Schauspielerin eine Rolle bekommen, weil sie mit mir ins Bett gegangen ist.“ Dieses hehre Motto erklärt vielleicht, warum ihn so viele junge Frauen schnell wieder verließen.

Ministerium für Treue: Für den Chefposten ist die Besetzungscouch noch leer, aber das liegt an einem Trauerfall. Hat doch Starkoch Paul Bocuse als ausländischer Berater leider – der taktlose Ausdruck sei verziehen – den Löffel abgegeben. Dabei war er vielen ein Vorbild. Schließlich hatte er selbst im fidelen Alter 80plus seine drei Lebensgefährtinnen niemals mit einer vierten betrogen.

Ministerium für ungewollte Verwandtschaft: iemand kann etwas für seine Familie – und diesem Umstand muss endlich Rechnung getragen werden. Erst recht, seitdem klar wurde, dass eine Mumie die Ur-ur-ur-ur-ur-urgroßmutter des britischen Außenministers Boris Johnson ist. Jeder schaut nun nach der Ähnlichkeit – und das ist für die 1787 verstorbene Anna Catharina Bischoff nicht gerade schmeichelhaft. Aber der Fall wirft auch neue Fragen auf, die ein Ministerium dringend klären müsste: Gibt es eine direkte Abstammungslinie vom Ötzi zu Österreichs Kanzler Sebastian Kurz? Kann es Zufall sein, dass die Venus von Willendorf figürliche Ähnlichkeit mit Kanzlerin Angela Merkel hat? Und sind SPD-Chef Martin Schulz und der Yeti, die niemals zusammen gesehen wurden, ein und dieselbe Person? Sachdienliche Hinweise sollte die Noch-Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen entgegennehmen. Denn sie ist mit mehr Menschen verwandt, als andere überhaupt kennen.

Ministerium für Abwesenheit: Der Katalonien-Konflikt zeigt, wie dringend dieses europaweit erforderlich ist. Beharrt doch die spanische Regierung darauf, dass Carles Puigdemont in Katalonien anwesend sein muss, um dort gewählt zu werden. Dabei sind die Abwesenden in vielen Parlamenten eine sehr starke Fraktion, von den Geistesabwesenden ganz zu schweigen. Und auch in deutschen Büros glänzen viele durch Abwesenheit, der Grippewelle sei Dank. Die Interessen der Abwesenden angemessen zu vertreten, ist daher höchst demokratisch. Und das Beste an diesem Ministerium für die Groko-Verhandlungen wäre: Es gäbe darum keinen Streit. Denn der Posten bliebe dauerhaft vakant.

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