Pia Rolfs

Portfolio

Potpourri Januar 2019

IN DER WUTHÖHLE MIT SUPER-NANCY

Das Jahr ist noch jung, hat aber bereits jeden Welpencharme verloren. Denn der Januar war nicht nur von Aufbruch gekennzeichnet, sondern außerdem auch von wütendem Aufbegehren. Sogar in Deutschland!

Na gut, die französischen Gelbwesten protestierten gegen die Politik von Emmanuel Macron, tausende Griechen gegen die Mazedonien-Umbenennung und die Kongolesen gegen Wahlbetrug. Die Deutschen aber gingen gegen einen Affront auf die Straße, der sie im Innersten traf: das angekündigte Ende der „Lindenstraße“. Kaum auszudenken, wenn sich diesen Wutzuschauern auch noch die Hardcore-Fans der 80er-Jahre-Serien „Dallas“ oder „Magnum“ anschließen und ein neues altes Fernsehprogramm fordern würden! Deutschland wäre lahmgelegt. Aber hier wirken DVDs und Streaming-Dienste wie Netflix glücklicherweise deeskalierend. Noch.

Widerlegt ist aber ohnehin Lenins böser Satz, die Deutschen würden vor dem Stürmen des Bahnhofs erst eine Bahnsteigkarte kaufen. Denn die Bahnsteige stürmen die Bundesbürger schon längst und verursachen dort chaotische Zustände – auch wenn sie hinterher behaupten, das liege nur an Zugverspätungen und ständig geänderter Wagenreihung. Kein Wunder also, dass nun der Bundesbeauftragte für den Schienenverkehr der Bahn empfiehlt, die Fahrkarten zu verteuern. Irgendwie müssen die ständig besserwissendenPassagiere ja abgeschreckt werden.

Und an der Kohle hängt am Ende doch alles. Das gilt natürlich erst recht für den Kohlekompromiss. Bis zum Jahr 2038 soll der Ausstieg nun erfolgen, danach wird auf Windenergie gesetzt. Konsequenzen hat das hat bestimmt für politisch korrekte Formulierungen bei Raubüberfällen: Bis 2038 darf es noch heißen: „Her mit der Kohle – und mach nicht so viel Wind!“ Danach ist es umgekehrt richtig.

Ungewöhnlich scheint dagegen das Konzept in den USA: Da ist der größte Protestler gleichzeitig der Präsident. Weil Donald Trump in der Trotzköpfchen-Manier eines Dreijährigen auf seiner Mauer beharrte, kam es zur Haushaltssperre, die alles blockierte. Doch nach einiger Zeit in der Wuthöhle „Weißes Haus“ wurde er von einer pädagogisch geschulten Frau zur Raison gebracht. Es handelte sich dabei allerdings nicht um die im deutschen Fernsehen einst erfolgreiche „Super-Nanny“, sondern um ihr Pelosi-Pendant, die amerikanische„Super-Nancy“.

Vielleicht hätte sie auch den hessischen Hacker mal zum Draußenspielen motivieren können, dann hätte er sich dort ausgetobt und nicht vom Kinderzimmer aus Promi-Daten geklaut. Oder sie hätte Prinz Philip beruhigen können. Denn der Ehemann der Queen protestierte mit einem Ein-Wagen-Autokorso gegen die  Meinung, dass Senioren nicht mehr am Steuer sitzen sollten. Dabei baute der 97-Jährige zwar einen Unfall und verletzte eine Frau – aber nur weil die Sonne so tief stand. Und da werfen bekanntlich sogar Zwerge lange Schatten. Oder wie der furchtlose Fettnäpfchen- Fetischist Philip vielleicht sagen würde: Untertanen.

Der Januar ist jedoch dermaßen auf Krawall gebürstet, dass sich nun sogar Protest gegen den Protest regt. In Frankreich wenden sich jetzt die Roten Schals gegen die Gelbwesten, weil sie deren Krawalle verurteilen. Und eventuell schwappt dieser Trend gerade leicht modifiziert nach Deutschland. Denn hier sieht man, teilweise mit Schals, immer mehr völlig enthemmte Rotnasen laufen. Obwohl manche noch glauben, das sei nur die Grippewelle.

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