Pia Rolfs

Portfolio

Potpourri Januar 2020

BREXIT, MEXIT UND SEXIT

Sie haben schon im Januar alle guten Vorsätze für 2020 gebrochen? Das ist schade, für die Weltmoralbilanz aber unerheblich. Denn es gibt große Geister, die alles umsetzen, was andere sich nur vornehmen.

„Beginne ein neues Leben“ haben etwa Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel und der britische Prinz Harry verwirklicht, wenn auch nicht miteinander. Gabriel wirft seine bürgerliche SPD-Existenz hin und hilft als Aufsichtsrat notleidenden Deutschbankern, die mit ihren Boni emotional überfordert sind. Für die Genossen ist Siggis Kehrtwende quasi der Sexit – analog zum Brexit, der heute über die Bühne geht. Aber wen interessiert überhaupt noch der Brexit, seitdem Prinz Harry und Ehefrau Meghan nicht mehr in Großbritannien leben? Ihr Megxit ging schneller – einfach mal „Hoheit“ gegen Freiheit getauscht. Aber Titel werden in der Neuen Welt ohnehin oft falsch verstanden. Galt doch Harrys Vater, der Prince of Wales, dort schon mal als „Prinz der Wale“.

„Sag deinen Liebsten öfter, was sie dir bedeuten“, hat US-Präsident Donald Trump realisiert. „Er ist für China, ich bin für die USA. Aber ansonsten lieben wir uns“, säuselte er über Chinas Präsident Xi beim Weltwirtschaftsforum in Davos, das offenbar eine Art vorgezogenes Valentinstagtreffen war. Bei solch zärtlichen Worten hören Romantiker bereits die Hochzeitsglocken läuten – denn gegensätzliche Interessen, zwei aufrüstende Großmächte und Liebesbeteuerungen nach außen: Das ist der Stoff, aus dem die Ehen sind.

„Ich mache Digital Detox“ haben sich auch manche zu Jahresbeginn geschworen. Aber Finanzminister Olaf Scholz (SPD) schritt beherzt zur Tat. Indem er Händler zur Bonpflicht verdonnerte, zeigte er: Papier ist immer noch angesagt – vor allem im Müll. Ein wenig digitales Entgiften versuchte auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, löschte im ersten Schritt aber nur ihre Handydaten. Möglicherweise weil sie das Smartphone von Amazon-Chef Jeff Bezos gehackt hatte – um beim Online-Händler mal nachzuschauen, ob der nächste Berater schon geliefert oder im Nachbarbüro abgegeben wurde.

Bleibt „Verzichten“ als größter Vorsatz– und den setzt  Annegret Kramp-Karrenbauer vorbildlich um. Sie unterlässt in schonungsloser Selbstkasteiung ihre Karnevalsauftritte. Wer aber nun verwirrt ist, dem hilft vielleicht dieser Hinweis: Wenn AKK vor Narren redet und in Fettnäpfchen tritt, ist sie künftig nicht mehr „Putzfrau Gretl“. Sondern einfach nur CDU-Chefin und Verteidigungsministerin.

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