Pia Rolfs

Portfolio

Potpourri Juli 2015

Der satirische Monatsrückblick „Pias Potpourri“ ist vielseitig. Von Juli 2007 bis März 2014 war er ein Audio-Podcast, im Mai und Juni 2014 machte er einen Ausflug in die Video-Welt. Seit Juli 2014 ist er an jedem letzten Donnerstag des Monats eine Rubrik in der Print-Ausgabe der „Frankfurter Neuen Presse“. Getreu dem Motto: Print wirkt – hoffentlich auch auf die Lachmuskeln.

 

Pias Potpourri Juli 2015

Die Nasa entdeckt die plutonische Liebe
Der Juli ist vorbei, aber geistig noch lange nicht abgeschlossen. Schließlich ordnen sich Europa, die Welt und das All gerade völlig neu.
So könnte Griechenland vielleicht bald schon mit dem neu entdeckten   erdähnlichen Planeten „Kepler-452b“ eine Währungsgemeinschaft bilden – denn dieser ist nach Angaben von Forschern „eine Art größerer und älterer Cousin der Erde“. Und Griechenland kennt sich mit Vetternwirtschaft sehr gut aus.
Oder Hellas könnte für fünf Sekunden, wenn gerade keiner hinguckt, vorübergehend aus dem Euro austreten. Denn Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble befürwortete einen Grexit auf Zeit. Er hatte seinem US-Amtskollegen Jack Dew aber auch angeboten, Puerto Rico in die Euro-Zone aufzunehmen, falls die USA Griechenland in die Dollar-Zone integrieren. Angeblich war das ein Scherz. Aber ob Schwaben wirklich scherzen, ist bislang wissenschaftlich noch nicht erwiesen, das liegt vermutlich an der unüberwindbaren deutsch-schwäbischen Sprachbarriere. So glaubten viele Norddeutsche lange, die Schwaben würden sich mit ihrem Dialekt selbst parodieren. Merkten dann aber: Die sprechen immer so.
Vielleicht hat Schäuble ja auch nur ausgeplaudert, was andere große Politiker längst denken: Man müsste zwischen den Ländern auch mal tauschen, damit die eigenen Dauerprobleme nicht langweilig werden. So spähte der US-Geheimdienst NSA möglicherweise nur die Bundeskanzler Kohl, Schröder und Merkel aus, um festzustellen: Könnte in der Aktion „Promitausch“ Lothar Matthäus gegen Kim Kardashian ausgewechselt werden? Das würde die Klatschpresse auf beiden Seiten des Atlantiks etwas beleben.
Unwahr ist allerdings, dass Kuba gegen die Deutsche Bahn ausgetauscht werden soll. In dem Karibikstaat, zu dem die USA jetzt diplomatische Beziehungen aufnahmen, werden nämlich Fortschritte verzeichnet. Die Bahn jedoch war nach Streikende mit der fatalen Kombination aus Normalbetrieb und Sommer wieder total überfordert. Immerhin muss sie trotz ihrer zahlreichen Ausfälle und Defizite nicht aus dem deutschen Kulturraum austreten und erhält als Staatsunternehmen weiterhin finanzielle Hilfspakete der Steuerzahler. Das ist sehr human.
Aber ansonsten bleibt nichts, wie es war. Nach dem Atomabkommen mit dem Iran      gehört dieses Land für die USA nicht mehr zu den Schurkenstaaten, die Sanktionen wurden aufgehoben. Und sogar Ideen der dortigen Kleidervorschriften werden jetzt abgeschwächt in Deutschland übernommen. So wurde an einer Realschule in Horb (Baden-Württemberg) ein Hotpants-Verbot für die Schülerinnen erlassen. Möglicherweise handelt es sich aber um ein weiteres Beispiel von unerkanntem schwäbischen Humor.
Manche Schüler haben schließlich das Berufsziel Ballermann-Tourist – und die Mallorquiner wären froh, wenn diese Besucher wenigstens Hotpants tragen würden. Überhaupt hat der Urlauber in der Urlaubszeit an Beliebtheit eingebüßt. Touristen-Limits werden auf Mallorca und in Venedig erwogen. Vielleicht wird Schäuble ja bald den Griechen zur Auflage machen, alle woanders unbeliebten Urlauber auf ihren Ferieninseln aufzunehmen. Das wäre grausam, aber nicht mehr undenkbar.
Schließlich ist nicht einmal auf Traumpaare Verlass – wie zwei Trennungen zeigten. Die US-Schauspieler Ben Affleck und Jennifer Garner gingen kurz nach ihrem zehnten Hochzeitstag auseinander. Ex-Topmodel Lena Gercke und Fußballer Sami Khedira sind kein Paar mehr. Viele wissen nicht, woran sie jetzt noch glauben sollen. Schließlich hätten sie nicht gedacht, dass diese Beziehungen überhaupt so lange halten.
Aber die wahre Liebe existiert – allerdings dort, wo sie zuvor niemand vermutet hat. So ist die Sonde „New Horizons“ am Zwergplaneten Pluto vorbeigeflogen und hat auf ihm eine herzförmige Oberfläche ausgemacht. Eine revolutionäre Entdeckung! Liefert sie doch ganz neue Erkenntnisse. Erstens: Liebe ist tatsächlich, was manche bereits ahnten, etwas vom anderen Stern. Zweitens: Ein bisschen Distanz tut der Liebe gut – die 4,9 Milliarden Kilometer zwischen Erde und Pluto sind geradezu ideal. Drittens: Die „platonische Liebe“ ist ein akustisches Missverständnis. Es muss „plutonische Liebe“ heißen.
Wenn die jetzt zur Erde gesendet wird, könnte die ganze Welt eine Währungsunion gründen, in der der „Absurdo“ einziges anerkanntes Zahlungsmittel ist. Am Geldautomaten ausgezahlt wird der allerdings nur an Liebespaare, und das auch nicht in Scheinen. Denn die nehmen alles für bare Münze.