Pia Rolfs

Portfolio

Potpourri Juli 2017

Der satirische Monatsrückblick „Pias Potpourri“ ist vielseitig. Von Juli 2007 bis März 2014 war er ein Audio-Podcast, im Mai und Juni 2014 machte er einen Ausflug in die Video-Welt. Seit Juli 2014 ist er an jedem Monatsende eine Rubrik in der Print-Ausgabe der „Frankfurter Neuen Presse“. Getreu dem Motto: Print wirkt – hoffentlich auch auf die Lachmuskeln.

Pias Potpourri Juli 2017

DIE ALPHAMÄNNCHEN SIND ABGETAUCHT

Ach, es wäre so schön. Wir könnten jetzt zehn Jahre „Pias Potpourri“ feiern und mit einem Glas frisch gezapftem Regen feucht-fröhlich auf die Zukunft anstoßen. Aber es könnte uns als Taktlosigkeit ausgelegt werden.

Denn während wir hier leichtfertig über Sommer und Nicht- Sommer nachdenken, versinkt Europa in einer Spermienkrise. Anders als in Kanada, wo ein offenbar sehr spirituell veranlagter Sektenführer mit 25 Frauen insgesamt 146 Kinder zeugte, geht hier die Zahl der Spermien dramatisch zurück. Israelische Wissenschaftler vermuten dafür zahlreiche Gründe wie etwa warme Windeln oder Handys in der Hosentasche. Das überzeugt zunächst, denn wenn Männer gleichzeitig warme Windeln und Handys tragen, haben sie es in dieser oberflächlichen Welt oft schwer, Frauen zu verführen.

Aber das kann nicht alles sein. Wir vermuten einen Zusammenhang mit dem öffentlichen Abtauchen verschiedener deutscher Alphamännchen. So war Ex-Nationalspieler und Ex-Frauenheld Lothar Matthäus, mit seinen fünf Ehen und sonstigen Eskapaden jahrelang eine feste Größe bei „Pias Potpourri“, ja fast eine Art Maskottchen. Doch weder von ihm noch von Dieter Bohlen ist in amouröser Hinsicht mehr irgendetwas zu hören. Beide sind offenbar sexuell nur noch so aktiv wie die bambuskauenden Pandabären von Berlin. Oder plötzlich in der Lage, ihr Privatleben für sich zu behalten. Jetzt bitte nicht lachen, es könnte die Zeugungsfähigkeit gefährden – oder die Ihres Nachbarn.

Auch die finanzielle Misere von Boris Becker muss eine Rolle spielen. Denn wenn der Ex-Tennisstar sich juristisch ständig auseinandersetzen und um jede noch so kleine Luxusvilla kämpfen muss, hat er einfach keine Zeit mehr für die früher so geschätzten Abstecher in Besenkammern. Und ob der damalige spektakuläre Samenraub in London inzwischen rechtlich als Beutekunst gilt und vielleicht sogar Gegenstand der aktuellen Brexit- Verhandlungen ist, wird leider verschwiegen.

Um den bayerischen Womanizer Horst Seehofer ist es in Liebesdingen ebenfalls ruhiger geworden, konzentriert er sich doch in letzten Jahren auf sein zweites Hobby: die Politik. Manche behaupten gar, er sei hauptberuflich CSU-Chef.

Und die Ferienzeit konnte bisher keine Wende einläuten. Die Türkei, einst Ziel vieler liebeshungriger Partyurlauber, ist als Reiseland nicht mehr attraktiv, seitdem dort auch nüchterne Bundesbürger verhaftet werden. In Portugal und Korsika entflammen nur die Pflanzen bei Waldbränden füreinander. Und wenn Deutschland-Urlauber feuchte Träume haben, haben sie nur versehentlich aus dem Fenster ins Unwetter geschaut.

Selbst das britische Königshaus, das früher nie um eine Bettgeschichte verlegen war, ist brav geworden. Vorbei sind die Zeiten, in denen Thronfolger Prinz Charles noch von einem Schicksal als Camillas Hygieneartikel träumte. Stattdessen geht sein Sohn William heute mit Familie auf Deutschlandreise. Und der einst in Las Vegas berüchtigte Nacktbilliard-Spieler Prinz Harry öffnet inzwischen nur noch sein Herz und spricht öffentlich über das letzte Telefonat mit seiner Mutter. Das ist menschlich bewegend, hilft aber nicht aus der Krise.

Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch, wusste schon Hölderlin. Und der Ausweg aus der europäischen Keimzellen-Flaute liegt bestimmt in der Zinspolitik der EZB, obwohl diese oft missverstanden wird. Denn kopflastige Kritiker meinen noch, diese Abkürzung stünde gar nicht für „Europäische Zeugungsbank“, sondern für „Europäische Zentralbank“.