Pia Rolfs

Portfolio

Potpourri Juni 2015

Der satirische Monatsrückblick „Pias Potpourri“ ist vielseitig. Von Juli 2007 bis März 2014 war er ein Audio-Podcast, im Mai und Juni 2014 machte er einen Ausflug in die Video-Welt. Seit Juli 2014 ist er an jedem letzten Donnerstag des Monats eine Rubrik in der Print-Ausgabe der „Frankfurter Neuen Presse“. Getreu dem Motto: Print wirkt – hoffentlich auch auf die Lachmuskeln.

 

Pias Potpourri Juni 2015

Boris Becker droht mit dem Bobbelexit

Der Sommerurlaub rückt näher, gefährliche Sorglosigkeit macht sich breit – aber sicher fühlen sollte sich niemand. Denn im Juni tobte nicht nur die Debatte um den  Grexit, den möglichen Ausstieg Griechenlands aus der Euro-Zone. Auch andere probten den Ausstieg. So gab es im Odenwald und in der georgischen Hauptstadt Tiflis einen sogenannten Zexit – einen Ausbruch aus dem Zirkus. Ein Zirkus-Elefant riss im Odenwald aus und tötete einen Spaziergänger. Nach einem Unwetter in Tiflis streiften Raubtiere durch die Stadt, die sich von Politikern durch ihre vier Beine deutlich unterschieden.

Manche Tiere planen heimlich schon den Mexit – das Herauswerfen des Menschen aus der Schöpfung. So gab es viele spektakuläre Tier-Attacken: Ein Biber nagte in Bayern den Baum eines Spielplatzes an, bis dieser umfiel. Er wollte wohl vermeiden, dass Kinder künftig in das Hundekot-Revier Sandkasten eindringen.  Ein Löwe tötete eine Touristin, die bei der Safari ein Autofenster öffnete. Bestimmt handelte er aus Klimaschutz-Gründen: So lassen Menschen, die ein Autofenster öffnen, lassen oft gleichzeitig die Klimaanlage laufen – und das tut der Erde einfach nicht gut.  Die Kamele haben mit dem Ziel Mexit die Mers-Epidemie  an die Menschen abgegeben, vielleicht aus Rache dafür, dass die Dümmsten der Gattung Homo sapiens immer mit ihnen verglichen werden. Dabei sind die Kamele ihnen eindeutig überlegen: Können sie doch Flüssigkeit in zwei Höckern speichern, die Menschen aber nur in ihrem einen Höcker namens „Bierbauch“ – und selbst da sind sie nach kurzer Zeit wieder durstig.

Aber auch innerhalb der menschlichen Rasse gab es Herauswürfe – etwa den Pexit, den Putin-Ausschluss vom G7-Gipfel. Und dann natürlich den DSKexit. Dominique Strauss-Kahn wurde freigesprochen, oder nach anderer Deutung: aus der schönen Sex-Party-Berichterstattung herausgeworfen. Natürlich erging das Urteil völlig zu Recht. Wäre er verurteilt worden, hätte sich das weibliche Personal im Gefängnis ja niemals sicher fühlen können.

Seltener wird vermutlich bald der Bettkantexit – der unschöne Vorgang, bei dem Männer von der Bettkante gestoßen werden. Denn das Viagra für Frauen soll als rosa Pille auf den Markt kommen. Für Strauss-Kahn allerdings etwas spät. – ihm würde es nur helfen, wenn es flächendeckend auf allen Hotelfluren versprüht würde. Weil aber leider ein Viagra für Fernsehzuschauer noch fehlt, zeigen die Quoten bei vielen Shows nicht mehr steil nach oben. Wohl auch deswegen kommt es zum Stexit – dem Ausstieg von Stefan Raab aus dem deutschen Fernsehen. Ein schlimmer Verlust, der viele Fragen aufwirft: Darf sein Jackett, das er gefühlt 1000mal bei „TV Total“ trug, unter hygienischen Aspekten noch in die Altkleidersammlung? Wittert Ralph Siegel jetzt wieder Morgenluft beim deutschen Beitrag für den Eurovision Song Contest? Und spielt „Schlag den Raab?“ jetzt eine Rolle in Raabs Privatleben?  Immerhin lebt ein Moderator gerüchteweise auch dann noch weiter, wenn er nicht mehr im Fernsehen zu sehen ist.

Es gibt auch Pläne für den ganz großen Exit, der künftig vielleicht nicht mehr Tod, sondern Lexit (Lebens-Exit) heißt. So ist in Braubach jetzt die gemeinsame Bestattung von Mensch und Haustier möglich. Ein schöner Gedanke vor allem für Hunde – denn dann sind Herrchen und Lieblingsknochen irgendwann ein und dasselbe. Wenn das auch in Großbritannien Schule macht, mag man sich die Beerdigung von Königin Elizabeth II. in sehr ferner Zukunft gar nicht vorstellen – schließlich müsste sie mit all ihren Corgies und Pferden irgendwo Platz finden. Und dafür wären höchstens noch weite Landschaften in den früheren Kolonien groß genug. Noch quicklebendig war aber die Queen auf Deutschlandreise   – und viele freuten sich darüber.

Aber vielleicht hatte der Staatsbesuch auch einen ernsten Hintergrund: den Bobbelexit. Boris Becker will Brite werden. Und da ist es nur natürlich, dass die Queen aus ihrer Heimat flieht und sich wieder dem früheren Kriegsgegner annähert. Schließlich ist mit Boris Becker ein Grund, die Deutschen nicht zu mögen, schon mal weggefallen