Pia Rolfs

Portfolio

Potpourri Juni 2017

Der satirische Monatsrückblick „Pias Potpourri“ ist vielseitig. Von Juli 2007 bis März 2014 war er ein Audio-Podcast, im Mai und Juni 2014 machte er einen Ausflug in die Video-Welt. Seit Juli 2014 ist er an jedem Monatsende eine Rubrik in der Print-Ausgabe der „Frankfurter Neuen Presse“. Getreu dem Motto: Print wirkt – hoffentlich auch auf die Lachmuskeln.

Pias Potpourri Juni 2017

„MAYDAY“ KOMMT NICHT VON THERESA

Nichts wie weg hier! Das denkt mancher zu Ferienbeginn. Aber Vorsicht! Der Juni hat gezeigt, wie gefährlich es sein kann, die Heimat zu verlassen.

So häuften sich die Katastrophen und Terrorakte in vielen Ländern. Das ist furchtbar, spricht aber auch

für eine schlechte Terminkoordination seitens der Terroristen. Lässt sich doch in dieser Häufung ein Anschlag vom anderen kaum noch unterscheiden. Und manche Menschen sagen inzwischen: „Es kann ja überall passieren, warum soll ich mich da anders verhalten?“ Das zeigt eine mangelnde Bereitschaft, sich einschüchtern zu lassen, die von Chef-Terroristen so nicht gewollt sein kann.

Zudem mussten die besonders gebeutelten Briten auch noch wählen. Unwahr ist allerdings, dass der Hilferuf „Mayday!“ sich auf die britische Premierministerin Theresa May bezieht, deren Partei ihre absolute Mehrheit verlor. Denn den (von französisch „m’aidez“: helft mir!) gab es schon vorher.

Auch die Emmanuel-Macron-Fans, früher Franzosen genannt, gaben ihrer bisherigen Regierung das, was man früher einen Denkzettel nannte. Heute passt dieser Begriff natürlich nicht mehr. Zettel sind nicht digital genug, und Denken ist unüblich. Manche versuchen vielleicht deswegen erst einmal, sich – analog zum Carsharing – bei einer Art „Brainsharing“ ein bereits gebrauchtes Gehirn zu leihen. So wurde das Hirn des Heiligen Don Bosco in der Nähe von Turin gestohlen. Glücklicherweise war der vorher schon tot, und die Reliquie wurde später zurückgegeben. Offenbar hatte der Täter für ein Gehirn doch keine Verwendung.

Österreich als Ferienziel wirkt da friedlicher, birgt aber auch Gefahren. Wenn nämlich in Deutschland schon Hoch „Concha“ eine Hitzewelle brachte, wie heiß kann es dann erst bei unseren Nachbarn werden? Die haben schließlich bereits seit Jahren „Conchita“.

Dass in dieser Großwetterlage selbst Angela Merkel die „Ehe für alle“ befürwortete, mag da nicht verwundern. Einer allerdings war schon vorher unter der Haube: Fußballer Manuel Neuer heiratete in Italien. Bleibt nur zu hoffen, dass dabei nicht das Lied „Ganz in Weiß“ gespielt wurde. So heißt nämlich seine (weibliche!) Braut mit Mädchennamen, und obszöne Anspielungen auf die Hochzeitsnacht sind geschmacklos.

Na gut, eigentlich war der Name Nina Weiss, aber bis vor kurzem ließ sich das in Großbuchstaben von Weiß nicht unterscheiden. Jetzt aber wird das Eszett Großbuchstabe. Ein Meilenstein! Künftig sind Buße und Busse also groß geschrieben nicht mehr dasselbe – obwohl mancher leidgeprüfte ÖPNV-Nutzer da eine inhaltliche Verwandtschaft durchaus erkennt.

Mit dem Zug nach Hamburg zu reisen, empfiehlt sich aber auch nicht. Steckt doch die Elbphilharmonie voller Stolperfallen, und damit sind nicht die finanziellen gemeint. Auf den Treppen im Saal und im Foyer stürzten Gäste reihenweise. Vor allem für Ältere ist das gefährlich. Vielleicht soll das Geld, das der Bau verschlungen hat, ja durch Einsparungen von Rentenzahlungen wieder reinkommen.

Dafür strauchelt aber einer bald nicht mehr: der drogensüchtige Golfspieler Tiger Woods. Der 41-jährige Sportler wies sich selbst in eine Entzugsklinik ein, weil er „Rückenschmerzen und Schlafstörungen“ hat. Das ist gerade in Verbindung mit der früher bei ihm festgestellten Sexsucht natürlich ein großes Problem: Können doch Rückenschmerzen die erforderliche Beweglichkeit bei Orgien dramatisch einschränken. Und das rechtzeitige Verlassen des Bettes der Geliebten unterbricht die wertvolle Nachtruhe immer wieder.

Wirkliche Erholung gibt es also offenbar nur im eigenen Heim. Und wer deswegen gar nicht mehr Urlaub machen will, sollte sich auch nicht dazu zwingen. Entsteht doch, wie jetzt bekannt wurde, das größte Haifischbecken Europas im südhessischen Pfungstadt. Das wird viele Menschen im Rhein-Main- Gebiet erleichtern – nicht nur wegen der Ausflugsmöglichkeiten. Denn damit ist endlich klar: Das größte Haifischbecken ist bald nicht mehr ihre eigene Firma.