Pia Rolfs

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Potpourri Juni 2018

NUR BORIS BECKER KANN DIE WELT NOCH RETTEN

Wäre die Weltpolitik eine Fernsehserie, der Juni hätte nicht besser laufen können. Denn die Zuschauer werden nun mit dem spannenden Cliffhanger in den Sommerurlaub gelassen: Gibt es die Welt noch, wenn wir aus den Ferien zurückkommen?

Gerade bei einigen Handlungssträngen der Nachrichten Telenovela gab es da  in den letzten Wochen ungewöhnliche Wendungen: So ist Deutschland, das sich als Dauer-Fußballweltmeister fühlt, in der WM-Vorrunde ausgeschieden. Griechenland ist ohne weiteres Rettungspaket einverstanden, dass die bisherige Zankrepublik Mazedonien nun „Nordmazedonien“ heißt. Und Donald Trump mag seine alten G7-Kumpels nicht mehr und spielt Handelskrieg mit der EU und erhebt überall Zölle. Vielleicht ist diese Serienfolge aber nur eine Hommage an den berühmten Satz im Loriot-Sketch: „Ich  muss die Nase meiner Ollen an  jeder  Grenze neu verzollen.“

Dafür ist Trump ein Fan von  Nordkorea geworden – das ist fast so ungewöhnlich wie einst in der Serie „Dallas“ das Wiederauftauchen des toten Bobby Ewing unter der Dusche. Aber es lässt die Zuschauer mit Fragen zurück: Gehören die USA als Nordkorea-Freunde nun  zur „Achse des Bösen“? Und wer rettet dann die Welt?

Berechtigte Hoffnungen ruhen da auf dem frisch getrennten Ex-Tennisstar Boris Becker. Denn dieser genießt als Attaché der Zentralafrikanischen Republik angeblich diplomatische Immunität und  kann deswegen  nicht insolvent sein – so hat es sich der neue Drehbuchschreiber ausgedacht. Dabei dachten viele bisher, es gäbe für Becker nur einen rechtsfreien Raum: die Besenkammer.

Das führt direkt zur Frage nach den weiblichen Hauptrollen – etwa nach  Melania Trump. Sie war zwischendurch verschwunden, also möglicherweise mangels Wortbeiträgen herausgeschrieben worden. Aber es fand sich eine neue Lösung.  Beim Kinderheim-Besuch trug sie eine Jacke mit der Aufschrift „Ist mir echt egal. Euch auch?“ Ein genialer Schachzug. Denn so kann Melania trotzdem weiterhin ihre Rolle spielen, muss aber selbst nicht mehr reden.

Weit entfernt von diesem Stadium sind die Darsteller in der deutschen Serie „Intrigantenstadl“  über die Bundesregierung. Hier wird geschwatzt, was das Zeug hält und die große Koalition zerbrechen lässt. SPD-Chefin Andrea Nahles meint sogar, es ginge im Asylstreit der Union gar nicht um Flüchtlingspolitik, sondern um „Mätzchen“ und  Machtkämpfe. Ältere Fans der abgesetzten Doku-Soap „Martin Schulz Superstar“ wissen: Da klingt viel Wehmut an. Schließlich hatte auch die SPD mal Macht, um die gekämpft werden konnte.

Möglicherweise besteht zwischen dem zänkischen Serienpaar Horst Seehofer und Angela Merkel aber nur ein Missverständnis. Denn er sagt über sie: „Mit der Frau kann ich nicht arbeiten.“ Dabei geht es  doch gar nicht ums Arbeiten. Sondern nur ums Regieren.

Auch ein Nebenstrang sorgt zum Staffelende für Spannung: Das Sorgenkind Bundesnachrichtendienst (BND) lungert wieder herum und bespitzelt vor lauter Langeweile sogar Österreich. Das könnte zu unvorhergesehenen Enthüllungen führen: Gibt es vielleicht geheime Handkuss-Codes? Kaiserschmarrn-Rezepte von Falco? Oder findet der BND  heraus, dass Conchita Wurst und Sebastian Kurz ein und dieselbe Person sind?

All diese Fragen wird erst die nächste Staffel nach der Sommerpause beantworten – also bleiben Sie dran! Und sollte noch derselbe irre Drehbuchschreiber beschäftigt sein, könnte es so weitergehen (Achtung, Spoiler! Wer sich überraschen lassen will, darf jetzt keinesfalls weiterlesen): Donald Trump und Kim Jong Un kommen sich bei ihren gemeinsamen Hobbys Atombomben und Fönfrisuren  noch näher und heiraten heimlich in Österreich. Dabei bespitzelt sie versehentlich der BND. Diplomat Boris Becker muss zwischen Angela Merkel und Horst Seehofer vermitteln. Es kommt aber erst zur Einigung, als Melania mit folgendem Kompromiss auf der Jacke vorbeiläuft: Seehofer wird abgeschoben und darf nie wieder nach Berlin einreisen. Im Gegenzug heißt dafür ganz Europa nördlich des Mains künftig : „Nordbayern“.

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