Pia Rolfs

Portfolio

Potpourri Juni 2020

ERST WUMMS, DANN PLUMPS

Der “Summer of love”, der “Sommer der Liebe”, ist mehr als 50 Jahre her. Aber er hat in diesem Juni einen würdigen Nachfolger gefunden: den “Summer of Wumms”. Denn Finanzminister Olaf Scholz verkündete den bahnbrechenden „Wumms“ – und meinte damit ein Konjunkturpaket, nicht das übliche Aneinanderstoßen von Dickschädeln in der Groko.

Ein Wumms aber kommt selten allein – und deswegen rettete der Staat in Spendierlaune auch gleich noch die Lufthansa. Völlig zu Recht! Hat die Fluglinie doch die scheinbaren Widersprüche “Gesundheitsrisiken minimieren” und “Tourismus stärken” perfekt unter einen Hut gebracht: Sie strich Flüge, zahlte vielen Kunden aber nicht das Geld zurück. Vermutlich heißt das bald offiziell Lufthansa-Solidaritätszuschlag.
Aber niemand darf kleinlich auf Konto oder Wohlbefinden schielen, wenn die Urlaubsspaß-Massenproduktion wieder anläuft. Die ersten wummsfidelen Versuchskaninchen wurden schon auf Mallorca ausgesetzt, wo sich nun ihr Verhalten in unfreier Wildbahn beobachten lässt. Allerdings liegen die wahren Abenteuerregionen längst woanders. Wer hätte etwa gedacht, dass Gütersloh jemals in einem Satz mit dem Begriff „Hotspot“ genannt werden würde? Corona macht´s möglich, gemeinsam mit dem Ausbeutwumms-Unternehmer Tönnies.

Kleiner Wermumms-Tropfen: Die Bundesregierung ermahnt, die Menschen aus den betroffenen Landkreisen nicht zu diskriminieren. Wie schade! Selbst das an der Küste beliebte  Schimpfwort „Nordrhein-Wandalen“ ist dann wohl mehr nicht politisch und epidemologisch korrekt. Und erzeugt am Ende vielleicht gar die Gegenbewegung „Westfälisch Lives Matter“.

Solcher Kleinwumms macht zwar auch Mist, kann aber nicht mithalten mit den USA. Dort hat der Präsident diesen zum unerreichbaren Trumms gesteigert, der die Gesellschaft wirklich zerlegt. Aber selbst in Deutschland erfährt der Wumms bisweilen eine Lautverschiebung. Im Schwäbischen etwa klingt er wie „Rumms“, daraus wurde Randale in Stuttgart. Und der Finanzdienstleister Wirecard verstand „Krumms“, richtete seine Geschäfte danach aus  – und plötzlich waren zwei Milliarden verschwunden, nie dagewesen  oder im versehentlich verknoteten Raum-Zeit-Kontinuum in ein Wurmloch gefallen. Gerade die letztere Theorie favorisiert gerüchteweise die Finanzaufsicht Bafin.

Und manche vermuten schon, dass der ganze Wumms irgendwann uns allen auf die Füße fällt. Aber das wäre nur eine natürliche Mutation. Oder, um es in einfacher Regierungssprache zusagen: Erst Wumms, dann Plumps.

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