Pia Rolfs

Portfolio

Potpourri März 2018

DAS LAND DER BRÖTCHEN MIT DER SEELE SUCHEN

Stellen Sie sich vor, Sie wären im September in Winterschlaf gegangen und in diesem März wieder aufgewacht. Dann könnten Sie fast denken, die Welt wäre noch dieselbe. Aber das täuscht.

So fänden Sie zwar wieder dieselbe Bundeskanzlerin Angela Merkel mit einer Groko-Regierung vor und würden sich vielleicht sogar noch an Martin Schulz erinnern. Für Neueinsteiger: Das war der mit dem Bart, der lange vor dem Weihnachtsmann populär war. Aber sie hätten dessen Wandel zum Emotionsbrötchen nicht mitbekommen.

Das ist zwar, wie die SPD zu spät begriffen hat, keine neue Position im Kabinett. Dabei wäre ein Bundesemotionsbrötchen in Deutschland, das für seine Brot- Vielfalt berühmt ist, mindestens ebenso wichtig wie eine Ministerin für Digitales. Erweist diese doch den Bürgern vielleicht nur einen Dorothee-Bärendienst. Wer das Land der Brötchen dagegen mit der Seele suchen will, muss Emotionsbrötchen sein.

Horst Seehofer würden Sie ebenfalls wiedererkennen. Der Bayer ist jetzt zwar Innenminister, aber vom Charakter her immer noch Aggressionsbrezel. „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“, sagte er, in Abgrenzung zu Spaßbrötchen Wulffs Satz: „Der Islam gehört inzwischen zu Deutschland.“ Weitere theoretisch mögliche Abwandlungen wären: „Der Islam gehört Deutschland“ oder „Island gehört zu Deutschland“, beides ist aber politisch nicht ratsam.

Das zumindest weiß wohl schon Brillen-Brötchen Heiko Maas, Lebensgefährte einer bekannten „Diplomatin“-Darstellerin. Wer jetzt frisch aus dem Winterschlaf käme, würde vielleicht denken: Nanu, kann der auch Außenminister? Aber natürlich! Ist er doch, mit viel gutem Willen und leichter Netzhautablösung betrachtet, eine saarländische Ausgabe von James- Bond-Darsteller Pierce Brosnan.

Und neue James Bonds braucht das Land – allerdings nicht ganz so dringend wie Großbritannien. Dort hat der russische Geheimdienst nämlich die Drehbuchschreiber von 007 mit einem Anschlag auf den Doppelagenten Sergej Skripal brüskiert. Vielleicht schwimmt der Brötchengeber der Russen-Spione aber nur auf der Retro-Welle des Kalten Krieges, weil die heute sonst üblichen Hacker-Angriffe einfach zu unpersönlich sind. Und oft fehlt auch das Feedback. Denn viele Opfer merken gar nicht mehr, ob sie gehackt wurden, Facebook auf den Leim gegangen sind oder im betrunkenen Zustand das Nackt-Selfie mit dem Brennstab selbst aus dem Akw gepostet haben.

Zudem ist manches System technisch so instabil, dass ein Hacker-Angriff im Gesamtchaos überhaupt nicht auffallen würde – etwa das kosovarische Stromnetz. Dort auftretende „Leistungsschwankungen“ haben, wie im März bekannt wurde, die Uhren in vielen Ländern sechs Minuten nachgehen lassen. Schockierend! Wussten doch viele vorher nicht einmal, dass es überhaupt Leistungen im kosovarischen Stromnetz gibt.

Na gut, werden Schlaubrötchen jetzt sagen, sechs Minuten sind nicht viel. Aber das stimmt nicht! In sechs Minuten kann US-Präsident Donald Trump etwa drei Berater feuern und 15 wirre Ideen ausbrüten. Viel Lob verdient in diesem Zusammenhang allerdings die oft gescholtene Deutsche Bahn. Denn mit ihrer Auffassung, das fünf Minuten Verspätung pünktlich sind, hat sie alles schon seit Jahren vorempfunden.

Kaum dass die Uhren richtig gingen, wurden sie aber wieder verstellt – und gehen nun so wie im September. Den Unterschied würden Sie, wären Sie damals in den Winterschlaf gegangen, also gar nicht bemerken. Aber beunruhigend ist es trotzdem. Handelt es sich doch aus Sonnensicht um Fake News, die allen auf den Zeiger gehen. Sämtliche deutsche Uhren leben nun in einer Filterblase der alternativen Zeitmessungsfakten und beeinflussen sich gegenseitig. Infame Lügenbrötchen verharmlosen diese Situation aber als „Mitteleuropäische Sommerzeit“.

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