Pia Rolfs

Portfolio

Potpourri März 2019

ENE MENE MAY – UND RAUS BIST DU… ACH, NEE!

Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt, hieß es früher frohgemut im Volkslied. Aber so läuft es in modernen Zeiten natürlich nicht mehr. Denn heute kommt im Märzen nicht mal der pferdenärrische Brite in die Hufe – und weiß nicht, wohin er eigentlich galoppieren will.

Falls auch Sie die Orientierung verloren haben, hier noch mal ein kleiner Überblick über die letzten Folgen der 586-teiligen Soap „Brexit für Anfänger“: Eigentlich hatten Briten und EU am 29. März ihren Scheidungstermin. Dann bekamen die Briten Muffensausen, wollten stattdessen ohne eheliche Pflichten verheiratet bleiben oder doch nicht – oder mal sehen. „Mal sehen“ setzte sich durch. Das ist im  Deutschen schon kompliziert, aber im Original noch verwirrender. Denn wer weiß nun, ob „End of may“ da ein neues Austrittsdatum ankündigt – oder das Ende der Premierministerin. Vielleicht sollte die EU ihr einen Abzählreim widmen, der Austritte von Staaten künftig ohne unendliche Abstimmungen ermöglicht, aber auch Zögern berücksichtigt: Ene mene May – und raus bist du… ach, nee!

Wenn uns aber die Briten tatsächlich verlassen, brauchen wir Deutschen emotionalen Ersatz für die königliche Familie. So sollte die Kanzlerin-Frage, die in der CDU derzeit zwischen Angela Merkel und Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) schwelt, auch unter folgendem Gesichtspunkt diskutiert werden: Welcher Kanzlerin-Gemahl ist deutscher Ersatz für den charmanten Fettnäpfchen-Treter und Freistil-Autofahrer Prinz Philip? Vorteil AKK: Helmut Karrenbauer ist, wie der Queen- Gemahl, Hausmann. Nachteil AKK: Die schlechten Witze überlässt er seiner Frau.

Vielleicht ist das dem Frauentag geschuldet, der seit diesem März Feiertag in Berlin ist. Damit hat sich nach dem Ampelmännchen die zweite kulturelle Errungenschaft aus Ostdeutschland in der Hauptstadt durchgesetzt. Experten können auf der Grundlage einer neuen Studie über den wenig produktiven Osten aber besorgte Westbürger beschwichtigen: Mehr wird da nicht kommen.

Auch Ersatz-Royals sind aus östlicher Richtung nicht zu erwarten.

Statt Prinz Charles haben wir nur Grünen-Chef Robert Habeck als Pflanzenflüsterer – immerhin ist er plötzlich ähnlich beliebt. Der frisch getrennte Blondschopf Thomas Gottschalk könnte optisch gerade mal Camilla ersetzen. Und auch das Tätigkeitsprofil von Prinz Harry – früher Nacktbillard-Profi, heute braver Ehemann – ist in der deutschen Politik nur schwer zu finden und will auf CSU-Chef Horst Seehofer leider nicht so recht passen. Von seiner Ehe weiß man einfach zu wenig.

Die Linke Sahra Wagenknecht erinnert mit ihrem Burnout zwar an die verstorbene Lady Diana, als diese noch unglücklich bei Hofe war. Aber da hören die Parallelen schon auf, sowohl menschlich als auch modisch, ist doch Wagenknechts einziges Accessoire ihr Mann Oskar Lafontaine. Und Rot passt nicht zu allem.

Zudem brachte Wagenknechts Sammelbewegung „Aufstehen“ nicht so viele Leute auf die Straße wie die weltweiten Schülerproteste für das Klima. Das zeigt natürlich, was FDP-Hemdchen Christian Lindner eigentlich sagen wollte: Die Kinder und Jugendlichen sollten das Nichtstun einfach den Profis überlassen. Denn die nennen das Politik.

Dennoch wären neue Bewegungen durchaus denkbar, sie müssten nur den richtigen Namen tragen. „Fridays for Future“ könnte etwa durch „Mondays for Mobbing“ oder „Saturdays for Selfies“ergänzt werden. Ein besserer Slogan als „Aufstehen“ wäre „Später aufstehen“ oder „Wecker ausschalten“. Hat doch die ungeliebte Zeitumstellung allen gerade wieder eine Stunde Schlaf geraubt.

Und leider wurde dabei die einzige Lösung für das britische Dilemma verschlafen: Weil die Uhren am 31. März nämlich gleich von 2 Uhr auf 3 Uhr sprangen, wäre ein Brexit um 2.30 Uhr ideal gewesen. Dann hätten die Briten endlich das, was sie wirklich wollen: Großbritannien wäre aus der EU ausgetreten, aber es wäre  trotzdem  nie passiert.

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