Pia Rolfs

Portfolio

Potpourri März 2020

DIE ROLLEN SIND SICHER

Die Apokalypse hat durchaus Sinn für Ironie. Nicht Klimawandel, nicht Kriege, nicht Kanzlerkandidaturen haben die darum besorgte Menschheit in diesem Monat lahmgelegt, sondern ein reisefreudiges Virus. Für den Homo sapiens und seine Unterform Homo satirikens bleibt in dieser Corona-Krise allerdings wenig zu lachen – aber Aufgeben gilt nicht. Denn führende Virologen sind sich nach geheimen Studien mit unfreiwilligen Teilnehmern einig: Wer lacht, lebt noch.

Außerdem zeigt sich in der Krise, was wirklich wichtig ist: Nicht etwa menschliche Nähe, wie viele lange Zeit irrtümlich dachten. Sondern Toilettenpapier. Denn jetzt, wo Drinnenbleiben das neue Ausgehen ist, kann es quasi alles ersetzen. Es ist in wirtschaftlicher Unsicherheit eine krisenfeste Geldanlage, ein dekoratives Hygge-Element für Bad, Flur und Wohnzimmer. Die Jagd danach ist der Ersatz für das Mitfiebern bei den ausgefallenen Fußballspielen. Und jede neue Lieferung wird mit so großer Spannung erwartet wie sonst Olympia oder der Eurovision Song Contest – immerhin erfüllt sich so die Prophezeiung, dass  Deutschland beim Gesangswettbewerb in diesem Jahr nicht auf dem letzten Platz landet.

Höchste Zeit also, dass Politik und Kultur sich stärker dem stillen Örtchen widmen. Erste Ansätze gibt es bereits. Der radikale „Flügel“ der AfD wurde in den Abfluss der Geschichte gespült, könnte allerdings irgendwo aus alten Rohren wieder hochkommen. Und Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) beruhigte die Nation, indem sie sich in einem Lager vor Toilettenpapier-Rollen ablichten ließ. Das signalisierte, überzeugend wie einst der Renten-Satz von Norbert Blüm: Die Rollen sind sicher!

Auch die Filmindustrie muss umdenken, wenn sie Mut in der Klopapierfrage machen will – und beliebte Blockbuster umbenennen. „Toilettanic“ als sanitärer Untergang wäre da kontraproduktiv. Lobenswert dagegen: „Spül mir das Lied vom Klo“, „Der Herr der Rollen“ oder „Wischen possible“.

All das gilt nicht für immer, sondern erst einmal nur bis Mitte April – das Jahr kann ja noch offenbleiben. Denn die Zeitrechnung muss möglicherweise überdacht werden. Es wird die Ära vor Corona geben und nach Corona. Im Moment aber sind wir noch „während Corona“  – oder wie Trendsetter abkürzen: WC

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