Pia Rolfs

Portfolio

Potpourri Mai 2015

Der satirische Monatsrückblick „Pias Potpourri“ ist vielseitig. Von Juli 2007 bis März 2014 war er ein Audio-Podcast, im Mai und Juni 2014 machte er einen Ausflug in die Video-Welt. Seit Juli 2014 ist er an jedem letzten Donnerstag des Monats eine Rubrik in der Print-Ausgabe der „Frankfurter Neuen Presse“. Getreu dem Motto: Print wirkt – hoffentlich auch auf die Lachmuskeln.

 

Pias Potpourri Mai 2015

Gottschalks Geburtstag bald bundesweiter Feiertag

Null ist auch eine Zahl – vielleicht nicht mathematisch, aber inoffiziell seit diesem Eurovision Song Contest (ESC) in Wien. Denn unsere Sängerin Ann Sophie hat gezeigt, wie würdevoll man mit diesem Punkteergebnis umgehen kann. Dennoch fordern nun einige, die Punktevergabe beim Song Contest müsse reformiert werden. Also los:
Ein Punkt geht an Russland. Nicht an ESC-Sängerin Polina Gargarina, sondern an die Raumfahrtbehörde Roskosmos. Sie hat mit „Raumfrachter Progress“ und seiner Version von „Völlig losgelöst“ kurzfristig einen Höhenflug erreicht. Bald folgte der Absturz – aber das ist nichts Neues bei Künstlern, die nach den Sternen greifen. Immerhin stürzte „Progress“ in unbewohntem Gebiet ab, das gelingt irdischen Stars nur selten.
Zwei Punkte erhält Belgien für „Saufen macht dick“. Das zumindest ist in der belgischen Hauptstadt Brüssel das neue Klagelied der EU-Kommission, die Kalorienangaben auf Alkohol    durchsetzen will. Klingt gut, aber etwas zu anspruchsvoll. Denn wenn Frauen künftig eine 13 auf der Weinflasche lesen, denken sie vielleicht, es handele sich nicht um den Prozentanteil des Alkohols, sondern um die Kalorien. Und greifen sofort zu.
Drei Punkte bekommt Kalifornien, das ausnahmsweise am Wettbewerb teilnehmen darf. Schließlich ist es die neue Heimat von Moderator Thomas Gottschalk. Dessen 65. Geburtstag wurde so viel besungen, dass der 18. Mai ab nächstem Jahr vermutlich bundesweiter Feiertag ist. Angemessen begangen wird er durch Gummibärchen-Essen, sinnlose Wetten und rituelle Selbstbeweihräucherung.
Vier Punkte gehen an Monaco für „When You’re Smiling“ (Wenn du lächelst). Denn dort hat Fürstin Charlène aus Anlass der Zwillingstaufe tatsächlich etwas Ähnliches versucht. Na gut, wirklich eingeplant war eine solche Mimik vom Schönheitschirurgen wohl nicht mehr. Aber umso erstaunlicher, dass sie es trotzdem probiert hat.
Fünf Punkte erhält GDL-Chef Claus Weselsky für „Es fährt ein Zug nach nirgendwo“. Das war ursprünglich ein Song von Christian Anders, ist aber durch die Bahnstreiks wieder ganz neu in den Charts. Manche meinen allerdings, an den leisen Tönen müsse Weselsky noch etwas arbeiten. Und entgegen anderslautenden Gerüchten hat er gar keine Background-Sänger – das sind die Verzweiflungsschreie der Passagiere in Hintergrund.
Sechs Punkte bekommt Bremen. Dort ist zwar seit den Stadtmusikanten nicht mehr wirklich erfolgreich gesungen worden, aber das Land spuckt gemessen an seiner Größe ziemlich große Töne. Das ist schon fast wie Gesang. Nun mussten sie ihren Hauptinterpreten, Jens Böhrnsen, Leadsänger der Gruppe SPD, mal auswechseln.
Sieben Punkte erhält Pullach, der Sitz des Bundesnachrichtendienstes. Denn sein gemeinsam mit der NSA vorzeitig aufgenommenes Weihnachtslied „Lasst uns lauschen“ wird zwar als BND-Affäre  gerügt. Es zeigt aber musikalisch ein enormes Potenzial, da seitdem auch die große Koalition mit vielen Stimmen singt.
Acht Punkte verdient Großbritannien. Dort ist Prinzessin Charlotte Elizabeth Diana der neue Star im royalen Chor. Gerüchteweise übt die Tochter von Prinz William und Kate ihre unkonventionellen Songs vor allem nachts. Und das Schöne ist: Auch andere Eltern können ein Lied davon singen.
Zehn Punkte gehen nach Schweden, wo ESC-Sieger Måns Zelmerlöw das Motto „Building Bridges“ bereits mit einem Brückenbau von Malmö nach Kopenhagen umgesetzt hat. Obwohl Ketzer behaupten, die Öresund-Brücke habe schon vorher existiert.
Und die höchste Wertung, zwölf Punkte, erhält Hannover für das Duett „Still Loving You“. Das Ex-Präsidentenpaar Christian und Bettina Wulff  überzeugte mit seinem Liebes-Comeback. Böse Zungen behaupten ja, ihre Solo-Karrieren hätten nicht geklappt. Von wegen! Schließlich hat Bettina Wulff bei richtiger Schreibweise hundert Prozent gegeben – denn sie war einmal die Nummer eins, und danach kamen nur noch Nullen.