Pia Rolfs

Portfolio

Potpourri Mai 2016

Der satirische Monatsrückblick „Pias Potpourri“ ist vielseitig. Von Juli 2007 bis März 2014 war er ein Audio-Podcast, im Mai und Juni 2014 machte er einen Ausflug in die Video-Welt. Seit Juli 2014 ist er an jedem Monatsende eine Rubrik in der Print-Ausgabe der „Frankfurter Neuen Presse“. Getreu dem Motto: Print wirkt – hoffentlich auch auf die Lachmuskeln.

Pias Potpourri Mai 2016

DIE LETZTEN WERDEN IM ERSTEN SEIN

Das soll der Wonnemonat gewesen sein? Möglicherweise ist es der Mai ja einfach leid, auf dieses Klischee festgelegt zu werden. Oder er zeigt uns: Wir müssen auch mit Wonne scheitern können.

Um diese Fähigkeit zu trainieren, belegte Deutschland wieder den bereits warmgesessenen letzten Platz beim Eurovision Song Contest. Obwohl der federführende NDR sich bei der Auswahl mal geistreich gezeigt hatte – schließlich hieß das Lied von Kandidatin Jamie-Lee Kriewitz „Ghost“. Möglicherweise hat Deutschland beim Gesangswettbewerb, dessen Finale stets in der ARD zu sehen ist, aber nur ein Bibelzitat missverstanden. Und verfolgt das Motto: „Die Letzten werden im Ersten sein.“

Daran hielt sich auch Eintracht Frankfurt. Rettete sich doch der Fußballverein in letzter Minute vor dem Abstieg und hat jetzt quasi den letzten freien Platz in der ersten Bundesliga ergattert.

Der letzte SPD-Wähler im ersten Wahlgang ist hingegen noch nicht gefunden, aber die Auswahl grenzt sich ein. Und vielleicht muss sowohl beim ESC als auch in der SPD einfach besser gedopt werden. Denn allein der Unkrautvernichter Glyphosat, der im Urin vieler Deutscher festzustellen ist, beflügelt weder die Gesangs- noch die Politikerkarriere. Das zeigt das Beispiel von Noch-SPD-Chef Sigmar Gabriel. Er singt zwar den Glyphosat-Protestsong in höchsten Tönen, um sich für den Bundesvision Vote Contest (auch Bundestagswahl genannt) zu qualifizieren – aber das bringt ihm nicht mehr Stimmen.

In der deutschen Politik ist die Freude am Scheitern ohnehin noch ausbaufähig – andere Länder sind da weiter. So stimmten in der Türkei die Abgeordneten für die Aufhebung ihrer Immunität, beschlossen also ihre eigene Entmachtung. Und Österreich liebäugelte tatsächlich mit dem Rechtspopulisten Norbert Hofer als Bundespräsidenten, hat aber gerade noch die Kurve gekriegt und den Grünen Alexander Van der Bellen gewählt. Unstrittig jedoch ist die Kern-Kompetenz des österreichischen Bundeskanzlers – er hat die Kompetenz, Christian Kern zu heißen.

Doch während in der Politik das letzte Wort nie gesprochen scheint, ist die Wissenschaft stets den letzten Geheimnissen der Menschheit auf der Spur. Die sind so geheim, dass manche nicht mal die Fragen verstehen. Aber der deutsche Astronaut Alexander Gerst, der 2018 wieder zur Raumstation ISS fliegt und dort Kommandant sein darf, wird vielleicht endlich klären: Ist der Mond geräuschempfindlich – oder warum sah er im Bühnenbild von Jamie-Lee so krank aus? Und pfeift die russische Raumfahrt schon auf dem letzten Loch? Oder nur auf einem Schwarzen Loch?

Das vorletzte Geheimnis der Menschheit allerdings liegt eindeutig in der Faszination von Germany’s Next Topmodel. Schließlich scheint nur eines an dieser Sendung noch der letzte Schrei zu sein: das Kreischen beim Finale.

Immerhin muss sich die nun gekürte Siegerin Kim Hnizdo aus Bad Homburg wohl nicht mit Schönheitsoperationen beschäftigen, die in Deutschland immer öfter vorgenommen werden. Der Trend geht zu Brustvergrößerungen bei Frauen und Entfernungen von Männerbusen. Frauen haben also Busen und Männer keinen? Manche dachten bisher naiv, das hätte die Natur von allein so eingerichtet. Aber erst der Chirurg gibt der Schöpfung offenbar den letzten Schliff – jedenfalls fürs Erste. Weitere Operationen folgen ja oft. Und jede Schlusspointe, die sich beim Thema Männerbusenfreundschaften wieder auf die SPD und Sigmar Gabriel bezöge, wäre wirklich das Letzte.