Pia Rolfs

Portfolio

Potpourri Mai 2019

POPOS UND POPULISTEN

Dieser Mai stand im Zeichen Europas? Nein, nicht ganz Europas. Denn ein kleines Alpenland schaffte es, selbst die Großereignisse des Kontinents aus den Schlagzeilen zu verdrängen: Österreich. Und das kann die Schreiberin dieser Zeilen leider nur so lange erläutern, bis ein wichtiger Gesprächspartner mit dem Geldkoffer eintrifft. Aber dazu später mehr.

Denn ein Skandal-Video mit Ex-Minister Heinz-Christian Strache stellte selbst die provokativen Fetisch-Isländer des Eurovision Song Contests (ESC) in den Schatten. So fiel Strache auf eine vermeintliche russische Oligarchennichte herein und sprach vor versteckten Kameras frei von der gerade schwer arbeitenden Leber weg. In Wirklichkeit handelte es sich bei der Frau um eine Prostituierte, die angeblich nur aufgrund ihrer Sprachkenntnisse fürdiese Rolle ausgewählt wurde. Das ist löblich, zeigt es doch der Jugend: Bildung kann sich wirklich lohnen!

Allerdings würde es doch in die falsche Richtung führen, den Satz „Du, glückliches Österreich, heirate“ endgültig durch die Losung zu ersetzen: „Du, korruptes Österreich, hure!“ Denn wer weiß, ob die dafür so beliebten Billigbusen nicht irgendwann unter das EU-Einwegplastik-Verbot fallen.

Schade ist jedenfalls, dass das Video nicht beim Eurovision Song Contest eingereicht wurde. Denn wie der Gesangswettbewerb in Tel Aviv zeigte, hätte es für eine dortige Teilnahme viele Erfolgszutaten gehabt: eine attraktive Osteuropäerin, wirr herumhampelnde Männer – und es war durch den Dreh auf Ibiza auch partytauglich. In Österreich tanzt zu den flotten Rhythmen schon die gesamte Regierung in den Abgrund.

Aber weil die Alpenländer mit diesem Video nicht antraten, siegte beim ESC der Niederländer Duncan Laurence. Der Gesangswettbewerb lag zeitlich auch so nah an der Europawahl, dass manche beides schon durcheinander bekamen. Popos hier, Populisten dort – wer kommt da noch mit? Deswegen hier einige Erläuterungen für den politischen Feinschmecker: Beim ESC wollen alle ins Finale; wer vorher ausscheidet, darf aber trotzdem mit abstimmen. Bei der Europawahl wollten die Briten nicht mehr ins Finale, schafften aber das Ausscheiden  nicht und mussten mitstimmen. Immerhin gelang ihnen fast der musikalische Brexit, landeten sie doch auf dem letzten Platz. Obwohl es oft anders wirkt, hat Deutschland diesen nämlich nicht mit einem Handtuch reserviert.

Außerdem schafften die Insulaner den Mexit – erklärte doch die britische Premierministerin Theresa May im Mai ihren Rückzug, vermutlich nur wegen des launigen Wortspiels. Und die Briten konnten sich auch mit  einem anderen Umstand trösten: Während weltweit das Artensterben beklagt wurde, freuten sich ihre traditionell vermehrungsfreudigen Royals wieder über Nachwuchs. Kein Wunder, schließlich wird die königliche Familie auch artgerecht in Palästen und Klatschblättern gehalten. Und wenn der kleine Archie nach seinem Vater Prinz Harry schlägt, könnte Großbritannien irgendwann mit neuen Skandal-Videos Österreich Konkurrenz machen. Schließlich war Harry in Las Vegas einst erfahrener Nacktbilliard- Spieler, wollte allerdings während seiner damals dokumentiertenExzesse keine Journalisten kaufen.

Apropos: Beim nächsten ESC, bei der nächsten US-Wahl und überall in der Welt müsste natürlich Russland siegen. Bitte noch einmal lesen: Russland! Das ist zwar nicht wirklich die Meinung der Schreiberin, soll aber schon einmal eine Vorleistung sein fürs gleich vereinbarte Treffen. Zwar hat der vielversprechende Gesprächspartner doch keinen Geldkoffer dabei, sondern nur eine Mütze mit Geldmünzen vor sich liegen. Aber seine Wodka-Fahne zeigt eindeutig: Er ist bestimmt der geheime Großneffe eines russischen Oligarchen.

Kommentar hinterlassen