Pia Rolfs

Portfolio

Potpourri November 2016

Der satirische Monatsrückblick „Pias Potpourri“ ist vielseitig. Von Juli 2007 bis März 2014 war er ein Audio-Podcast, im Mai und Juni 2014 machte er einen Ausflug in die Video-Welt. Seit Juli 2014 ist er an jedem Monatsende eine Rubrik in der Print-Ausgabe der „Frankfurter Neuen Presse“. Getreu dem Motto: Print wirkt – hoffentlich auch auf die Lachmuskeln.

Pias Potpourri November 2016

 

DIE STALLPFLICHT GILT JETZT AUCH FÜR PILOTEN

Der November 2016 hat die Welt verändert. Müssen wir doch sogar an zwei Phänomenen zweifeln, die den Philosophen Immanuel Kant noch staunen ließen: den gestirnten Himmel über uns und das moralische Gesetz in uns. Denn das moralische Gesetz weist nicht nur – wie bisher – immer neue Fußnoten auf. Sondern es hat sein Ablaufdatum erreicht.

Die niederen Instinkte haben gesiegt, die Gesellschaft ist gespalten, eine große Umwälzung bedroht die Welt, so wie wir sie kennen: Zum ersten Mal weltweit wurde nämlich in Neuseeland eine Drohne zur Pizza-Lieferung eingesetzt. Na gut, manche dachten jetzt vielleicht zunächst, es ginge um die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten. Aber das sind Ewiggestrige, die sich noch für politische Fakten interessieren. Eine solche Einstellung muss im heutigen Zeitalter, das die Oxford Wörterbücher jetzt als „postfaktisch“ einstuften, dringend überdacht werden. Verzeihung: übermeint.

Und selbst viele Tiere würden Trump wählen, wenn sie nur könnten. Darauf lässt ein Fall aus Frankreich schließen. Hat doch bei Bordeaux ein aggressives Schaf einen 94-Jährigen getötet und danach eine Abgeordnete attackiert. Damit zeigt es wichtige Merkmale der Populisten in den USA und Europa: sinnlose Wut, Mitleidlosigkeit und eine Abneigung gegen das politische Establishment.

Wir Deutschen allerdings haben die Chance, weiterhin unserem Leittier zu folgen. Bundeskanzlerin Angela Merkel will wieder antreten. Unwahr ist allerdings, dass Physiker Stephen Hawking allein aufgrund dieser Tatsache die baldige Besiedlung des übrigen Weltraums empfahl.

Das führt zum gestirnten Himmel über uns – dort sieht es leider aus wie bei Hempels unterm Sofa. Denn es flogen Wildvögel mit Vogelgrippe durch die deutschen Lüfte, aber dafür an vielen Tagen keine Lufthansa-Piloten. Möglicherweise ist es ja durchaus sinnvoll, für die Zweibeiner im Cockpit einmal eine kurze Stallpflicht anzuordnen, auch wenn diese offiziell „Streik“ genannt wird. Denn bei einer Fluglinie, die den Zugvogel Kranich im Logo hat und auf ihren Flügen kostenlos Wasser reicht, ist die Ansteckungsgefahr bestimmt hoch. Zudem sollen schon Piloten gesichtet worden sein, die sich im Kreise von Stewardessen aufführten wie ein Hahn im Korb. Ein klarer Hinweis auf Geflügelpest.

Solche Wirren am Himmel könnten auf den Supermond zurückzuführen sein, der Mitte des Monats hell und groß am Firmament strahlte. Denn dass jemand ganz oben steht, der wirkliche Größe hat – das ist ein Phänomen, das die Menschheit aus Politik und Berufsleben oft nicht mehr kennt.

Vielleicht werden manche bald erstmals staunend sehen, dass es überhaupt einen Himmel gibt. Schließlich müssen, so wurde jetzt entschieden, ARD und ZDF die Olympia-Berichterstattung einstellen. Das gibt Raum für ganz neue Freizeitbeschäftigungen! Allerdings könnte sich die Scheidungsrate deutlich erhöhen, werden doch gerade Männer bei Sportübertragungen erfolgreich vor dem Fernseher geparkt.

Aber nun begann erst einmal der Advent, die Zeit der Liebe und Düfte. Na gut, nicht immer riecht es nach Orange und Zimt. Oft müffeln nur die Winterwollpullover der Mitmenschen in überheizten Räumen. Doch auch das kann moderne Philosophen inspirieren. Nicht mehr sexy gilt heute zwar der kategorische Imperativ: „Handele so, dass die Maxime deines Handelns Grundlage einer allgemeinen Gesetzgebung sein könnte“ (Kant). Aber dafür vielleicht bald der olfaktorische Imperativ: „Dufte so, dass die Essenz deines Geruchs Grundlage eines beliebten Parfums werden könnte“ (Deodorant).