Pia Rolfs

Portfolio

Potpourri November 2017

Der satirische Monatsrückblick „Pias Potpourri“ ist vielseitig. Von Juli 2007 bis März 2014 war er ein Audio-Podcast, im Mai und Juni 2014 machte er einen Ausflug in die Video-Welt. Seit Juli 2014 ist er an jedem Monatsende eine Rubrik in der Print-Ausgabe der „Frankfurter Neuen Presse“. Getreu dem Motto: Print wirkt – hoffentlich auch auf die Lachmuskeln.

Pias Potpourri November 2017

 

PELLWORM IST DAS NEUE JAMAIKA

Es hätte alles so schön sein können. Trauerfeiertage, Regen, erste Grippewellen, gepflegte Melancholie – ein traditioneller November eben. Aber worüber müssen wir nun stattdessen in diesem urlaubsfernen Monat nachdenken? Über Inseln.

Schuld daran ist ein nackter Wolfgang Kubicki. Kündigte der stellvertretende FDP-Vorsitzende doch in einer Pause der Regierungsverhandlungen an: „Ich gehe jetzt erstmal anderthalb Stunden duschen.“ Vielleicht wollte er nur zeigen, dass auch ein FDP-Politiker mit allen Wassern gewaschen sein kann. Doch dieser verschwenderische Umgang mit den Ressourcen der Erde ist nach den Appellen der Klimakonferenz von Bonn wirklich nicht mehr zu rechtfertigen. Und die Konsequenz für das Verhandlungsklima zeigte sich auch prompt: Kaum hatte Kubicki lange geduscht, platzte Jamaika.

Nachdem Schwarz-Grün-Gelb nun keine Option mehr darstellt, ist Deutschland erst recht reif für die Insel, muss sich aber eine andere suchen. Nur welche? Denkbar wäre das Regierungsmodell Sylt – alles lang hinziehen, hoffen, dass bei den Stürmen am Ende nichts wegbricht und dem Wähler Sand in die Augen streuen. Und kommt es dann wieder zur großen Koalition, bliebe für Martin Schulz vielleicht noch das bewährte Verbannungsmodell St. Helena.

Rechnerisch nicht möglich, aber immerhin hochseetauglich wäre das Eiland mit dem Spruch „Grün ist das Land, Rot ist die Kant, Weiß ist der Sand, das sind die Farben von Helgoland.“ Politisch übersetzt also eine Regierung aus SPD, Grünen und Kokainkonsumenten. Auch Pellworm könnte das neue Jamaika sein, und das bedeutet eine Minderheitsregierung. Denn auf der nordfriesischen Insel sind die Menschen gegenüber Schafen in der Minderheit, herrschen aber trotzdem. Ob das intellektuell die beste Lösung ist, bleibt allerdings bei Nicht-Friesen umstritten.

Falls sich Süddeutsche benachteiligt fühlten, käme das Modell Mainau ins Spiel: Ein bisschen Adel, ein bisschen Blumen, also vielleicht eine repräsentative Monarchie mit Zwang zum Pflanzengießen. Gerade Letzteres kommt bei den Untertanen bestimmt gut an, legen doch die deutschen Nutzer sozialer Medien laut dem TNS Werteindex mehr Wert auf Natur als auf Freiheit. Und selbst zehn Beete brauchen vielleicht weniger Wasser als Kubicki beim Duschen.

Na gut, die Mainau-Grafen sind als Royals nicht ganz so populär wie Prinz Harry und Meghan Markle, die sich auf der politisch wegdriftenden Insel Großbritannien gerade verlobt haben. Aber vielleicht lässt sich bei den Brexit-Verhandlungen noch etwas machen: Einfach den Briten großzügig unsere Politiker überlassen und ihnen dafür das junge Prinzenpaar abschwatzen. Das erfordert gar nicht so viel Umgewöhnung, was Deutsche ja generell sehr zu schätzen wissen. Schließlich klingt der Braut-Nachname „Markle“ schon fast wie „Merkel“.

Abzuraten ist dagegen vom Regierungsmodell Mars – also dem roten Planeten. Denn der ist erstens keine Insel und zweitens gefährlich. Wie Experten jetzt warnten, können Marsreisen zu Gesundheitsschäden führen – und damit ist noch nicht mal das Ableben vor dem Rückflug gemeint. Nein, bereits vorher verschiebe sich das Hirn von Astronauten, sie bekämen Sehstörungen und Kopfschmerzen. Zumindest letzteres Problem wird bei irdischen tiefroten Planeten, also etwa im Steinzeitkommunismus, manchmal durch die Therapie „Enthauptung“ gelöst.

Aber so weit muss es nicht kommen. Schließlich gibt noch das Regierungsmodell Hawaii: Dabei würde der Jamaika-Spielverderber Christian Lindner zur Strafe bunte Hemden tragen. Mit nachhaltigen Baströckchen, von ungeduschten Politikern geflochten, wäre Deutschland Vorreiter beim Klimaschutz. Und das Problem mit der Digitalisierung wäre gelöst, ist doch Hawaii ideal für Surfer.

Wenn aber alles nichts hilft, dann das Modell Atlantis, orientiert an der sagenumwobenen Insel. Und bei dieser Regierungsform geht dann zwar leicht mal etwas unter. Es hat aber möglicherweise – und das ist der Trost – vorher gar nicht existiert.