Pia Rolfs

Portfolio

Potpourri Oktober 2014

Der satirische Monatsrückblick „Pias Potpourri“ ist vielseitig. Von Juli 2007 bis März 2014 war er ein Audio-Podcast, im Mai und Juni 2014 machte er einen Ausflug in die Video-Welt. Seit Juli 2014 ist er an jedem letzten Donnerstag des Monats eine Rubrik in der Print-Ausgabe der „Frankfurter Neuen Presse“. Getreu dem Motto: Print wirkt – hoffentlich auch auf die Lachmuskeln.

 

Pias Potpourri Oktober 2014

Die größten Hohlköpfe warten nicht bis Halloween

Mit dem Gruselfest Halloween geht der Oktober morgen zu Ende. Aber mal ehrlich: Was kann da noch kommen? Noch unheimlicher als dieser Monat schon war, kann er an seinem letzten Tag nicht mehr werden.

So hat die Realität dem künstlichen Grusel längst den Rang abgelaufen. ISIS-Kämpfer, die Köpfe abhacken, sind keine Halloween-Figuren. Die Ebola-Epidemie ist mit dem Kostüm „Schutzanzug“, das jetzt in den USA für Partys verkauft wird, leider nicht in den Griff zu bekommen. Und bei den Ausschreitungen von Hooligans und Neonazis gegen Salafisten in Köln handelt es sich nicht um eine Gruselparade, auch wenn die Köpfe der Teilnehmer so leer sind wie ausgehöhlte Kürbisse. Aber die größten Hohlköpfe warten eben nicht bis Halloween. Sie zeigen schon vorher, was nicht in ihnen steckt.

„Da unten steckt immer ein kluger Kopf“ könnte dagegen das Motto in Mexiko lauten. Denn dort wurden Massengräber mit Studenten entdeckt. Sie mussten offenbar sterben, weil sie eine Rede der Bürgermeisterfrau zu stören drohten. In Deutschland wäre das glücklicherweise undenkbar. Hier gibt es für Schüler und Studenten, die früher gelegentlich mal gestört haben, einen effektiven Schnuller. Er stellt die Jugend total ruhig und heißt Smartphone.

Zumindest hat sich das deutsche Fernsehen dem Trend zum massenhaften Ableben angeschlossen. Der Leichenrekord im „Tatort“ hinterließ bei manchem eine Gänsehaut. Aber Hauptsache, die Zuschauer schalten noch ein. Sollten sie dann im Fernsehsessel vor Schock sterben, das Gerät aber eingeschaltet lassen, ist das immer noch gut für die Quote.

Auf den Fernsehschirmen selbst sind Zombie-Sendungen schließlich gang und gäbe. So wurde das bereits untote „Wetten, dass..?“ noch einmal ausgestrahlt, stieß allerdings auf wenig Interesse. Und in vielen Talkshows reden nur noch Menschen, bei denen der Zuschauer sich wundert: „Lebt der noch?“

Ganz anders läuft es bei den sozialen Netzwerken. Dort sind alle quicklebendig, wenn es sich nicht um den Nachwuchs der Mitarbeiterinnen handelt. So bieten Apple und Facebook ihren weiblichen Angestellten „Social Freezing“ an: Sie können ihre Eizellen einfrieren lassen, das Kinderkriegen damit auf später verschieben und erst einmal Karriere machen. Eine tolle Idee. Wenn Frauen also künftig keine Karriere machen, haben sie einfach nur zu warme Eizellen. Selbst schuld. Und wer sich auch noch das Gehirn teilweise einfrieren lässt, findet den Vorschlag von Facebook & Co. Möglicherweise gar nicht mehr gruselig.

Zu befürchten ist allerdings, dass Teenager mit 80-jährigen Müttern bald die Firmen auf Schadensersatz verklagen – nur weil ihre Mütter sie mit dem Rollator zur Schule bringen. Und Klagen haben in den USA gute Erfolgsaussichten. Schließlich wurde in diesem Monat dort Red Bull verklagt, weil der Energydrink-Hersteller sein Werbeversprechen „Red Bull verleiht Flügel“ nicht eingehalten hat. Vielleicht hatte sich auf diesen Spruch ja insgeheim auch unsere Bundeswehr verlassen und deswegen die vielen Pannen bei den Transall-Maschinen ignoriert. Einfach Getränkedosen öffnen und dann in Krisengebiete fliegen – es wäre so schön gewesen.

Nun allerdings müssen wohl noch weitere Aussagen darauf untersucht werden, ob Schadensersatzansprüche möglich sind. Vermutlich kann Helmut Kohl belangt werden – nicht etwa weil er in seinem Buch Angela Merkel mangelhafte Tischsitten attestierte oder Christian Wulff als „Null“ bezeichente. Das ist der ganz normale Umgang unter Parteimitgliedern. Sondern weil er einst versprach, dass im Osten „blühende Landschaften“ entstehen. Und die sind 25 Jahre nach dem Mauerfall derzeit nicht zu erkennen. Fast keine Blume, nirgends. Gruselige Leere an den Zweigen, Baumskelette ragen in den Himmel. Das schreit nach einer Entschädigung in Milliardenhöhe. Obwohl manche behaupten, es sei einfach Herbst.