Pia Rolfs

Portfolio

Potpourri Oktober 2015

Der satirische Monatsrückblick „Pias Potpourri“ ist vielseitig. Von Juli 2007 bis März 2014 war er ein Audio-Podcast, im Mai und Juni 2014 machte er einen Ausflug in die Video-Welt. Seit Juli 2014 ist er an jedem letzten Donnerstag des Monats eine Rubrik in der Print-Ausgabe der „Frankfurter Neuen Presse“. Getreu dem Motto: Print wirkt – hoffentlich auch auf die Lachmuskeln.

 

Pias Potpourri Oktober 2015

BALD ENTHÜLLUNGEN ÜBER EINKAUFSZETTEL VON URSULA VON DER LEYEN

Der Oktober ist noch nicht ganz zu Ende, doch es zeigt sich schon, was wirklich fehlt: mehr Bücher!
Na gut, auf der Frankfurter Buchmesse waren gefühlte Milliarden Exemplare zu sehen. Aber dahinter steckt eher ein existenzphilosophisches Problem. Denn heute wird die Existenz eines Prominenten erst dann anerkannt, wenn er darüber ein Buch geschrieben hat, das niemand liest.
Trotzdem lassen die wirklich wichtigen Werke auf sich warten. So hat Horst Seehofer noch nicht den packenden SM-Roman „Fifty Shades of Union“ über die Differenzen in der CDU und CSU zur Flüchtlingskrise  verfasst. Und der glücklicherweise genesene Rückfall-Raucher Helmut Schmidt schreibt vermutlich nur heimlich an „Der 95-Jährige, der aus dem Fenster paffte und nicht verschwand“.
Auch im Sachbuch-Segment gibt es große Lücken. So werden laut einer Studie Kinder von ihren Smartphones gestresst. Es gibt aber weder den Beziehungsratgeber „Wenn Smartphones zu sehr lieben“ noch den Thriller „Der Feind an meinem Ohr“.
Die gefährlichen Würfelquallen, die in Thailand jetzt eine deutsche Touristin töteten, brauchen ebenfalls literarische Tipps. Etwa „Berührende Momente – Ein Reiseratgeber für Quallen“ oder „1000 Strände, die Sie verpestet haben müssen“. Dann wabern die Tiere auf der Suche nach Spielgefährten nicht mehr so ziellos umher.
In den USA, dem Land der unbegrenzten Schießereien, hätte dagegen eine Verknüpfung von Amoklauf und Fitnesswelle vermutlich die größten Chancen. Das könnte im Ratgeber gipfeln: „Mein langer Amoklauf zu mir selbst“. Alle Ähnlichkeiten mit einem Buch des friedliebenden Joschka Fischer sind natürlich nicht beabsichtigt.
Am wichtigsten wäre das Ratgeber-Standardwerk: „Bescheißen, aber richtig“. Ist doch das, was sich in Deutschland abspielt, kaum zu ertragen. Nach ADAC und VW und fast jeder Politiker-Doktorarbeit geriet die Weltmeisterschaft 2006 ins Zwielicht. So etwas darf nicht passieren! Denn Betrug „Made in Germany“, der so leicht auffliegt, ist qualitativ nicht hochwertig.
Ach, wer weiß, was da noch folgt. So hat nach den nächsten Enthüllungen von Idiotleaks Ursula von der Leyen bestimmt 1986 Äpfel auf den Einkaufszettel geschrieben, aber Birnen gekauft! Nur die oft gescholtene Deutsche Bahn bleibt sauber – und kann mit dem ganzen Sumpf niemals in Verbindung gebracht werden. Denn sie hat die VW-Stadt Wolfsburg mehrere Male vorsichtshalber nicht angefahren, obwohl es im Fahrplan stand.
Und wo wir gerade dabei sind: Auch am Oktober ist etwas faul. So gab es bereits einen Vorgeschmack auf den Winter. Mit Schnee in Hessen! Vermutlich wurde der Oktober nach den Feiern „25 Jahre Deutsche Einheit“  von Finanzminister Wolfgang Schäuble aus Kostengründen einfach vorzeitig beendet. Aber Kritik daran wäre falsch. Schließlich schafft Schäuble bei seinen Sparmaßnahmen das, wovon viele Buchautoren nur träumen: Er macht hohe Auflagen.