Pia Rolfs

Portfolio

Potpourri Oktober 2016

Der satirische Monatsrückblick „Pias Potpourri“ ist vielseitig. Von Juli 2007 bis März 2014 war er ein Audio-Podcast, im Mai und Juni 2014 machte er einen Ausflug in die Video-Welt. Seit Juli 2014 ist er an jedem Monatsende eine Rubrik in der Print-Ausgabe der „Frankfurter Neuen Presse“. Getreu dem Motto: Print wirkt – hoffentlich auch auf die Lachmuskeln.

Pias Potpourri Oktober 2016

WANN  KOMMT DER FRIEDENSNOBELPREIS FÜR DIETER BOHLEN?

Sie haben eine Gänsehaut? Das muss nicht an Halloween liegen. Denn der Gruselfaktor dieses Monats war bereits so hoch, dass eine Steigerung kaum noch möglich ist.

So erschaudert mancher schon, wenn er an Pietro und Sarah Lombardi denkt, die ihren Minuten-Ruhm von „Deutschland sucht den Superstar“ mit einer modernen Mini-Ehe verlängerten. Oder an die Wollersheims– den Düsseldorfer Bordellbesitzer und seine Dschungelcamp-Gattin. Doch diese beiden Paare sind leider die einzigen deutschen Antworten auf Brangelina, wurden ihre Trennungen doch ebenfalls von den Medien einfühlsam mit Schlagzeilen begleitet. Wer das Trashpaar Wollersheim vom Glamourpaar Brangelina partout nicht unterscheiden kann, hier zwei Hinweise: Angelina Jolie flog in den Dschungel, um sich dort sozial zu engagieren, und kam mit Kindern zurück. Sophia Wollersheim, um sich asozial zu engagieren, und kam mit Kröten zurück. Und bei den Wollersheims gibt es noch Hoffnung auf Versöhnung.

Vermutlich sorgen dunkle Mächted afür, dass wir Deutschen so schwer im internationalen Showgeschäft mithalten können. So bekam US-Sänger Bob Dylan  den Literaturnobelpreis – vielleicht weil sein Lied „Blowin’ in the Wind“ schon im Jahr 1962 prophetisch „Hurrikan Matthew“  vorhersagte, der im Oktober über die Karibik fegte. Aber unfairerweise hat noch niemand Dieter Bohlen für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen – obwohl sein in Russland erfolgreicher Modern-Talking-Hit „Cheri Cheri Lady“ einst den Sowjets das Gehirn weichsang und somit den Kalten Krieg beendete. Leider hat sich Russland davon offenbar inzwischen erholt und das Verhältnis des Westens zu Moskau daher wieder verschlechtert.

Das allerdings ist nicht die einzige Gefahr. Haben doch viele Kunden weltweit eine gefährliche Waffelegal erworben: das Samsung Galaxy Note 7. Zwar wird es wegen seines Brandrisikos von vielen Fluglinien verboten. Die Krankmeldungen bei TUIfly , wegen denen viele Flüge ausfielen, sind vermutlich in Wirklichkeit auf eine grassierende Samsung-Phobie zurückzuführen. Aber weiterhin halten sich Menschen, die nichts mehr zu verlieren haben, Samsung-Handys ans Ohr. Vermutlich drohen sie mit Selbstverbrennung, wenn sie kein Selfie machen dürfen. Deswegen wird ihnen das, zum Leidwesen vieler Prominenter, immer wieder gestattet.

Die Überleitung von „Prominenten“ zu „Sigmar Gabriel“ mag auf natürlichem Wege nicht gelingen. Das Thema ist dennoch brandhandyaktuell. Denn wer gerade ein Sigmar-Gabriel-Kostüm mit Kürbis-Bauch zum Erbetteln von Halloween-Süßigkeiten und Wählerstimmen gekauft hat, muss dieses schon 2017 vielleicht wieder einmotten. Es könnte nämlich sein, dass nicht er, sondern Martin Schulz SPD-Kanzlerkandidat wird. Und für dieses Kostüm sollte dem Verkleidungswilligen ein Bart wachsen, der absolut nicht hip ist. Gar nicht so einfach.

Amerika, du hast es besser, lässt sich da nur sagen – das gilt für Promi-Trennungen ebenso wie fürs Gruseln. Setzten doch die Horror-Clown-Attacken,  die dort starteten, auch für Deutschland neue Maßstäbe des Wahnsinns. In den USA fallen geschmacklose Angriffe, die mit tiefsitzenden Ängsten spielen, aber nur in leichten Fällen unter „Kriminalität“. Wenn es besonders brutal wird, heißen sie „TV-Duell zum US-Wahlkampf“.