Pia Rolfs

Portfolio

Potpourri September 2016

Der satirische Monatsrückblick „Pias Potpourri“ ist vielseitig. Von Juli 2007 bis März 2014 war er ein Audio-Podcast, im Mai und Juni 2014 machte er einen Ausflug in die Video-Welt. Seit Juli 2014 ist er an jedem Monatsende eine Rubrik in der Print-Ausgabe der „Frankfurter Neuen Presse“. Getreu dem Motto: Print wirkt – hoffentlich auch auf die Lachmuskeln.

Pias Potpourri September 2016

DIE FRÜHEREN ALTWEIBER SIND HEUTE ZIEMLICH HEISS

Laut Kalender ist es eigentlich noch zu früh für einen Rückblick auf den September. Aber was weiß der schon. Schließlich war der September unser einziger Sommermonat, und das sollte rechtzeitig bejubelt werden, bevor erste Herbsttage das vergessen lassen oder ein weiterer AfD-Wahlerfolg einen Schatten auf sonnige Gemüter wirft.

Dass der Altweibersommer so hohe Temperaturen brachte, ist vermutlich ein Spiegel der demografischen Entwicklung. Schließlich gilt jemand, der früher ein altes Weib war, heute oft noch als ziemlich heiß. Und dieser Gedanke führt zwangsläufig zu Hillary Clinton. Die demokratische US-Präsidentschaftskandidatin erlitt einen Schwächeanfall, war aber immerhin verbal auf der Höhe. So bezeichnete sie ihren republikanischen Konkurrenten Donald Trump als „gefährlich willkürlich und emotional unfähig, Präsident zu sein“. Das war eine schlüssige Analyse, zeigt allerdings eine mangelnde Einsicht in politische Realitäten. Denn wenn Willkür und Unfähigkeit eine Präsidentschaft ausschließen würden, wäre die Welt fast ohne jede Regierung.

Aber wen interessiert wirklich Politik, wenn das Wetter schön ist? In diesem Monat war der Gedanke an Regen schon so ungewohnt, dass ein Regenschirm in Frankenthal für ein Samuraischwert gehalten wurde. Wenn das so weitergeht, fallen Fahrrad-Regencapes, die den Körper verhüllen, bald unter das immer wieder diskutierte Burka-Verbot – als „ostfriesische Burka“.

Dabei sind Deutsche durchaus bereit, Gepflogenheiten archaischer Kulturen zu akzeptieren. Findet

doch derzeit ein weibliches Kleidungsstück, das viele Frauen zu einer Art Presswurst mit Busen degradiert, auch jenseits seiner bajuwarischen Heimat viel Anklang. Auf dem Oktoberfest laufen sogar Scharen freiwillig damit herum – obwohl die Bezeichnung „Dirndl“ wie eine süddeutsche Verniedlichungsform für eine Prostituierte klingt. Für eingefleischte Norddeutsche bleibt das ein Mysterium und die Frage, ob man Frauen von dieser selbst gewählten Erniedrigung

befreien muss, weiterhin offen.

Einer allerdings passte das Dirndl wirklich wie angejodelt – und ausgerechnet die gibt nun auf. Denn das Volksmusik-Duo Marianne und Michael kündigte an, bald seine Gesangskarriere zu beenden – nur wenige Tage nach seiner kirchlichen Hochzeit. Möglicherweise hat „bis dass der Tod Euch scheidet“ die beiden kurz über den Sinn des Lebens nachdenken lassen. Und das war fatal, lässt der sich doch mit Fernsehauftritten erfahrungsgemäß nicht vereinbaren.

Leichter zu verkraften wäre da noch ein anderer Ausstieg – der von Ungarn aus der EU. Gefordert

hat ihn der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn wegen der zweifelhaften Politik von Premier Viktor Orbán. Und Fakt ist: Ungarn kann uns Europäern wirklich nicht wurst sein. Nur Salami.

Wenn aber nach verhindertem Grexit, verschobenem Brexit jetzt noch der angedrohte Ungexit kommt, wird es sprachlich immer komplizierter. Dann kann man nur hoffen, dass dieser Monat, in dem der Tag der deutschen Sprache lag, ewig dauert. Denn sonst heißt der Ausstieg des Sommers bald nicht mehr Herbst – sondern Sexit. Und das ist einfach zu heiß.