Pia Rolfs

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Potpourri September 2019

Her mit dem Schamanen!

Von Pia Rolfs

Der September ist ein Mobbingopfer im Kalender, wird doch nicht einmal sein größtes Ereignis wird nach ihm benannt: das Oktoberfest. Das mag daran liegen, dass es zwar mitten im September beginnt, aber manche Besucher erst im Oktober wieder nüchtern genug sind, um den Monat zu erkennen.

Auch viele andere September-Ereignisse werden nur im biergelben Licht des Oktoberfestes richtig verstanden. So wollte Frankfurt vielleicht bloß mithalten, als es ein paar Festwagen in der Messe aufstellte und das IAA nannte – vermutlich die Abkürzung für „Ich auch aufregend!“. Protestler bliesen bei Umzügen der Autoindustrie den Marsch, das war der hessische Ersatz für Blasmusik. Und ähnlich wie beim Oktoberfest stand der Suff im Vordergrund, hier allerdings in der pseudotrendigen Frankfurter Schreibweise SUV.

Auch das Klimapaket der Bundesregierung ist bajuwarisiert, da es vor allem CSU-Chef Markus Söder gefällt. Das ist nur fair, schließlich achten Bayern schon lange auf Klimafreundlichkeit: Weil beim Oktoberfest nämlich Bier in Ein-Liter-Krügen ausgeschenkt wird, werden viel weniger Gläser gespült, als wenn jeder nur aus kleinen Kölsch-Gläsern trinken würde. Und der alkoholische Fußabdruck überlagert den ökologischen – Laien sprechen hier von „Torkeln“

Gar nicht mehr für dicke Luft in der Union sorgt auch Horst Seehofer, der sein Herz für die Seenotrettung  entdeckt hat. Unwahr ist allerdings, dass er sich künftig in „Seenothofer“ umbenennen will. Und er möchte leider nicht die gestrandeten Reisenden des insolventen Unternehmens Thomas Cook mit Segelbooten aus dem Mittelmeerurlaub abholen. Obwohl er dann auch noch ein  Klima-Horst werden könnte.

Sogar bayerische Schimpfwörter wie „Saupreiß“ erscheinen in Oktoberfestzeiten fast zärtlich, wenn man bedenkt, was Richter in Berlin erlauben. „Geisteskranke“ und „Dreckschwein“ ist laut ihrem Urteil durch die Meinungsfreiheit gedeckt. Nur eine Bezeichnung ist offenbar so hart, dass sie sich nur im Duo ertragen lässt: „SPD-Chef“.

Dringender benötigt als dieser wird allerdings ein Schamane. In Russland wurde einer festgenommen, der den modernen Zaren Wladimir Putin aus dem Kreml vertreiben wollte. Dabei könnte der Wunderheiler hierzulande noch mehr tun: den bösen Groko-Fluch von der SPD nehmen, den Rechtsextremismus mit der Morgenspucke einer jungfräulichen Kröte vertreiben, das Klima wieder gesundpendeln. Die CSU schwankt in München gerüchteweise hin und her, ob sie auf einen solchen Retter setzen soll und übersetzt das körpersprachlich in rhythmische Bewegungen. Obwohl manche meinen, das sei nur Schunkeln.

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