Pia Rolfs

Verräterische Löffel an der Wand

Nein, hier fehlt nicht etwa die Besteckschublade – der Besitzer des „Hotels Ammerland“ will im fernen Ingolstadt nur zeigen, woher er kommt: aus dem Ammerland in der Nähe von Oldenburg. Das war beim Wellness-Wochenende mitten in Bayern eine nette Überraschung. Diese Löffel sind Bestandteil eines Rituals, des Ammerländer Löffeltrunks. Es wird Schnaps hineingefüllt, und dann folgt  ein plattdeutscher Trinkspruch-Dialog: „Ik seh di“ – „dat freit mi“ – „ik sup di to“ – „Dat do“ – „Ik heb di tosapen“ – „hest’n Rechten drapen“. (Auf Hochdeutsch: „Ich seh dich“ – „Das freut mich“ – „Ich trink dir zu“ – „Mach das!“ – „Ich habe dir zugeprostet“ –  „Du hast den richtigen getroffen.“). Das erträgt man nur mit Schnaps? Mag sein. Aber getrunken habe ich ihn in Ingolstadt trotzdem nicht. Ich mag ja nicht einmal Oldenburger Grünkohl besonders gern, auch wenn Grünkohl-Smoothies in Hollywood jetzt angeblich total angesagt sind.  Die Erinnerung an die Heimat schmeckt manchmal besser als ihre Spezialitäten selbst.